Inhalt
Tami Pohjola, Violine
Sakari Oramo, Dirigent
Thomas Adès (*1971)
Violin Concerto »Concentric Paths« op. 24
2005
Thomas Adès wurde 1971 in London geboren. Er studierte Klavier an der Guildhall School of Music und dann Musik am King's College in Cambridge, wo er 1992 die Abschlussprüfung mit Auszeichnung bestand. Als er 1989 beim Wettbewerb der BBC („Young Musician of the Year“) den Zweiten Preis (Klavierklasse) erhielt, schien eine Karriere als Pianist vorgezeichnet. Doch der Preis führte ihn zur Komposition, 1990 erschien sein erstes Stück („Five Eliot Landscapes“). Abgesehen von der Fülle an mittlerweile komponierten Werken ist er als Pianist und Dirigent für zahlreiche Orchester und Festivals tätig. Thomas Adès ist heute einer der eindrucksvollsten Gestalten der zeitgenössischen klassischen Musik; in seiner Heimat wird er als „neuer Benjamin Britten“ gefeiert. In seinen Werken experimentiert er stets mit Farben, die er gelungen kombiniert.
Sein Violinkonzert „Concentric Paths“ komponierte er 2005 im Auftrag der Berliner Festspiele sowie des Los Angeles Philharmonic und Esa-Pekka Salonen. Das knapp 20-minütige Werk erklang erstmals am 04. September 2005 bei den Berliner Festspielen. Es ist den bis an die Grenzen des Unspielbaren reichenden Fähigkeiten des Geigers Anthony Marwood in die Finger geschrieben, der bei der Uraufführung den Solopart übernahm. Es spielte das Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung von Thomas Adès. Die Violine und das Orchester verbinden sich hier zu einer funkelnden, wie Licht in einem Prisma gebrochenen Klangsprache. Der Titel „Concentric Paths“ („Konzentrische Wege“) bezieht sich – vielleicht mit einer witzigen Anspielung auf Sphärenmusik – auf bestimmte Aspekte der Komposition: Die drei Sätze heißen „Rings“, „Paths“ und „Rounds“. Das Stück hat eine ganz eigene Dramaturgie: Der längste Satz steht in der Mitte, also im Herzen des Werkes. Er entfaltet sich laut dem Komponisten in „zwei grossen und sehr vielen kleinen, unabhängigen Zyklen, die sich überlappen und manchmal heftig miteinander kollidieren, während sie sich ihrer Auflösung nähern“. Das Konzert beginnt aber zunächst mit einem kurzen Satz „mit instabilen Harmonien in unterschiedlichen Bahnen“. Er zeichnet ein ungeduldiges Perpetuum mobile nach. Nach der emotionalen Intensität des langsamen Satzes versetzt das Finale das Publikum dann mit seinen „stabilen Zyklen, die sich in unterschiedlichem Tempo harmonisch bewegen“ in einen weitgehend entspannten Zustand.
Jean Sibelius (1865-1957)
Lemminkäinen-Suite op. 22
1895–96
Der im finnischen Hämeenlinna geborene Jean Sibelius erhielt zunächst Klavier- und dann mit fünfzehn Jahren Geigenunterricht. Seine ersten Kompositionen datieren aus dem Jahr 1876. Von 1885 bis 1889 studierte Sibelius am Konservatorium in Helsinki. In den folgenden Jahren konnte er seine Ausbildung dank eines Stipendiums in Berlin und in Wien (u.a. bei Karl Goldmark) fortsetzen. Ab 1892 hatte er für fünf Jahre am Konservatorium in Helsinki eine Dozentur für Theorie, Komposition und Violine inne. 1897 setzte der finnische Staat dem zweiunddreißigjährigen Komponisten eine Rente aus und ermöglichte es ihm so, sich künftig ganz seinem Schaffen zu widmen. 1904 zog Sibelius sich in die Einsamkeit seines Landhauses in Järvenpää, eine Bahnstunde von Helsinki entfernt, zurück, wo er sein Leben, von einigen Reisen nach England und Amerika abgesehen, bis zu seinem Tode zubrachte. Der umfangreiche Werkkatalog umfasst sieben Sinfonien, Sinfonische Dichtungen, Schauspielmusiken, ein Violinkonzert, eine Oper, Vokalmusik und eine Reihe kammermusikalischer Werke.
Sibelius fasste während eines Sommeraufenthaltes 1893 in Mittelfinnland den Entschluss, zum wiederholten Male ein Werk auf der Grundlage des finnischen Nationalepos „Kalevala“ zu schreiben. Angeregt durch Wagners Essay „Oper und Drama“ entschied er sich für eine Oper mit dem Titel „Veneen luominen“ („Der Bau des Bootes“). Das Libretto sollte auf den Gesängen Nr. 8 und 16 der „Kalevala“ basieren. Aus verschiedenen Gründen, unter anderem aus Mangel an Theatererfahrung, vor allem aber nachdem Sibelius im Juli 1894 eine Aufführung von Wagners „Tristan und Isolde“ erlebt hatte, gab er die Opernpläne auf. Die Hauptfigur der geplanten Oper sollte Väinämöinen sein, der alte Weise und Zauberer der „Kalevala“. Da Sibelius diesen schon während der Arbeit an der Oper so jung wie möglich plante, fiel es ihm nicht schwer, nach Aufgabe seiner Pläne den strahlenden jungen Helden Lemminkäinen in den Mittelpunkt zu rücken, der im 11. Gesang der „Kalevala“ als unternehmungslustiger, netter Bursche dargestellt wird. Die dann am 13. April 1896 als Sinfonische Dichtung nach Motiven aus dem „Lemminkäinen-Mythos“ aufgeführte Fassung besteht aus vier Teilen, deren erster laut Sibelius als Vorspiel zur Oper gedacht war.
In diesem ersten Teil („Lemminkäinen und die Mädchen von Saari“) beschließt Lemminkäinen, von zu Hause fortzugehen und um die Hand von Kyllikki zu werben. Die berühmte Schönheit der Insel Saari zeigt sich jedoch als einziges Mädchen der Insel gegenüber Lemminkäinen völlig gleichgültig. Der junge Held sieht den einzigen Ausweg darin, sie gewaltsam zu entführen und mit ihr durchzubrennen. Das Paar genießt trotz dieses Beginns eine harmonische Zeit, bis Lemminkäinen des langweiligen Lebens überdrüssig wird. Die Musik des ersten Teils hat rhapsodischen Charakter. Im zweiten Teil („Der Schwan von Tuonela“) wirbt Lemminkäinen um eine Jungfrau aus dem hohen Norden, deren Mutter ihn einer Reihe von Prüfungen unterwirft. Als letzte Prüfung soll Lemminkäinen den Schwan von Tuonela mit einem einzigen Pfeil erlegen. Dieser schwarze Schwan singt seine Lieder auf dem Fluss, der das unterirdische Totenreich Tuonela von den Lebenden trennt. Doch diese letzte Prüfung schafft Lemminkäinen nicht. Der Sohn von Tuoni, des Gottes der Unterwelt, schlägt Lemminkäinen mit seinem Schwert in Stücke und wirft ihn in die schwarzen Wasser des Flusses. Die Englischhorn-Melodie des Satzes ist weltberühmt geworden. Dritter Teil: Lemminkäinens Mutter erfährt von dem Schicksal ihres Sohnes („Lemminkäinen in Tuonela“) und eilt mit einem großen Rechen aus Bronze nach Tuonela. Auf ihre Bitte hin senkt die Sonne die Bewohner des Totenreiches in Schlaf, so dass die Mutter mit Hilfe ihres Rechens den zerstückelten Leichnam ihres Sohnes aus dem Fluss fischen kann. Durch einen machtvollen Zauber erweckt sie ihn wieder zum Leben und kehrt mit ihm nach Hause zurück: Das ist der vierte Teil („Lemminkäinen zieht heimwärts“), indem dieser finnische Don Juan in das Land seiner Kindheit reist. Auf dem Weg dahin hat er zahlreiche Abenteuer zu bestehen, die von der Musik plastisch dargestellt werden.
Genre:
Konzert
Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln
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April 2026
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