Inhalt
Gautier Capuçon, Violoncello
Andrés Orozco-Estrada, Dirigent
Anna Thorvaldsdóttir (*1977)
Metacosmos
2018
Anna SigrÃður Thorvaldsdottir ist eine isländische Komponistin. Sie wurde als „eine der bekanntesten Komponistinnen Islands“ bezeichnet und erhielt 2012 den Musikpreis des Nordischen Rates. Ihre Musik wird häufig in Europa und in den Vereinigten Staaten aufgeführt und ist oft von Landschaften und Natur inspiriert.
Anna Thorvaldsdottirs „Metacosmos“ ist ein eindrucksvolles Orchesterwerk, das 2017 entstand und 2018 vom New York Philharmonic unter Esa-Pekka Salonen uraufgeführt wurde. Das Stück dauert etwa 14 Minuten und ist für ein großes Orchester mit erweitertem Holzbläsersatz, vier Hörnern, zwei Trompeten, zwei Posaunen, zwei Tuben, drei Schlagzeugern und Streichern instrumentiert. Thorvaldsdottir beschreibt Metacosmos als eine musikalische Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen Ordnung und Chaos. Der Titel verweist auf die Vorstellung, in ein „Schwarzes Loch“ zu fallen – ein Übergang in das Unbekannte, in dem Kräfte wirken, die sich der Kontrolle entziehen. Dieses Bild dient jedoch nicht als Programmmusik im engeren Sinne, sondern als strukturelle Inspiration: Die Komponistin interessiert sich für Proportionen, Fluss, Balance und die Beziehung zwischen mikroskopischen Details und dem großen Ganzen. Klanglich entfaltet sich das Werk als ein einziger, organisch wachsender Prozess. Es beginnt oft mit schwebenden, tiefen Texturen, die sich langsam verdichten und in komplexe Klangschichtungen übergehen. Charakteristisch sind Thorvaldsdottirs „geologische“ Klanglandschaften: lang ausgehaltene Töne, mikrotonale Reibungen, schimmernde Obertonfelder und eruptive Ausbrüche, die wie tektonische Verschiebungen wirken. Die Musik scheint sich weniger in klar abgegrenzten Abschnitten zu bewegen, sondern in einem ständigen Zustand des Werdens – ein Strömen, das sich ausbreitet, zusammenzieht und wieder neu formiert.
Die Rezeption des Werks war ausgesprochen positiv. Kritiker lobten die farbenreiche Orchestrierung und die Fähigkeit der Komponistin, eine Atmosphäre zu schaffen, die zugleich monumental und intim wirkt. Die New York Times beschrieb das Werk als eine Reise in einedunkle, episodische, aber klar strukturierte Klangwelt, in der sich ein Kampf zwischen Chaos und Schönheit entfaltet.
Spieldauer: ca. 14 Min.
Camille Saint-Saëns (1835 - 1921)
Konzert für Violoncello und Orchester
Nr. 1 a-Moll op. 33
1872
Camille Saint-Saëns wurde 1835 in Paris geboren und zeigte schon als Kind ein außergewöhnliches musikalisches Talent. Seine Mutter unterrichtete ihn am Klavier, und noch bevor er richtig erwachsen war, komponierte er bereits und gab mit elf Jahren sein erstes Konzert. Am Pariser Conservatoire fand er schnell Anerkennung und wurde Schüler des berühmten Halévy. Schon früh arbeitete er als Organist, zuerst an St-Marie, später an der Madeleine – einer der angesehensten Kirchen Frankreichs. Er unterrichtete, komponierte, suchte seinen eigenen Weg. Seine Opern hatten anfangs wenig Erfolg, doch als Instrumentalkomponist wurde er bald gefeiert – vor allem wegen seines „Karneval der Tiere“, dessen großer Erfolg leider sein anderes Werk in den Schatten stellt. Saint-Saëns galt als einer derjenigen, die der französischen Sinfonik neues Leben einhauchten. Im Laufe seines langen Lebens erhielt er zahlreiche Ehrungen. Er starb 1921 in Algier.
Ein besonderes Juwel seines Schaffens ist das Cellokonzert op. 33. Als es 1872 entstand, war es ungewöhnlich modern: einsätzig, frei gebaut, voller Energie und doch von klassischer Klarheit durchzogen. Viele seiner Zeitgenossen verstanden diese Form nicht – heute gilt das Konzert hingegen als eines der wichtigsten Werke des Cellorepertoires. Saint-Saëns bricht in seinem Cellokonzert op. 33 bewusst mit der üblichen Dreisätzigkeit und formt stattdessen einen einzigen großen musikalischen Spannungsbogen. Diese konzentrierte Form zwingt ihn, die traditionelle Konzertarchitektur neu zu denken: Die sonst übliche doppelte
Exposition – erst Orchester, dann Solist – entfällt. Stattdessen beginnt das Werk mit einem einzigen markanten Orchesterschlag, auf den das Violoncello unmittelbar mit dem Hauptthema antwortet. Schon die Zeitgenossen lobten die Energie dieser Eröffnung: „brillant und von wohlüberlegtem Schwung“, hieß es nach der Uraufführung, und dass die Virtuosität „nie übertrieben“, sondern stets geschmackvoll eingesetzt sei. Eine Besonderheit gegenüber der traditionellen Sonatenhauptsatzform liegt auch darin, dass zwischen die Durchführung und die ausgedehnte Reprise ein Menuett (Allegro con moto) eingeschoben ist, das – wie der Komponist ausdrücklich zugestanden hat – auch separat aufgeführt werden darf. Durch Tonart und Tempo ist es deutlich abgesetzt und vertritt - obwohl hier nur ein episodischer Einschub - gewissermaßen den langsamen Satz im herkömmlichen Solokonzert. Die anschließende Reprise greift das Material der Exposition wieder auf, erweitert es aber durch zahlreiche virtuose Einschübe des Solisten. Am Ende führt eine strahlende Coda in A-Dur das Werk zu einem glanzvollen Abschluss. So entsteht ein Konzert, das trotz seiner kompakten Form eine erstaunliche Vielfalt an Farben, Stimmungen und musikalischer Eleganz entfaltet.
Spieldauer: ca. 20 Min
Gustav Mahler (1860 - 1911)
Sinfonie Nr. 1 D-Dur »Titan«
Als Gustav Mahler 1883 nach Kassel kam, war er noch ein junger, ehrgeiziger Kapellmeister, der sich durch die Opern- und Konzerthäuser Mitteleuropas gearbeitet hatte. In Kassel dirigierte er vor allem das gängige Repertoire seiner Zeit – Lortzing, Weber, Donizetti, Meyerbeer –, doch innerlich arbeitete er längst an etwas Eigenem. Hier entstanden die Lieder eines fahrenden Gesellen, und hier begann er auch seine 1. Sinfonie, die mit diesen Liedern eng verwoben ist. Fertig wurde sie allerdings erst 1888 in Leipzig, und ihre Uraufführung leitete Mahler selbst in Budapest. Für kurze Zeit nannte er das Werk „Titan“, in Anlehnung an Jean
Pauls gleichnamigen Roman – ein Titel, den er später wieder fallen ließ. Die Sinfonie selbst ist fünfteilig und beginnt mit einem Satz, der sich langsam aus dem Nichts erhebt. „Langsam schleppend – Im Anfang sehr gemächlich“: Aus dieser Ruhe formt sich nach und nach ein Hornmotiv, das wie ein fernes Naturbild wirkt. Sobald das Hauptthema einsetzt – die Melodie des zweiten Gesellen-Liedes –, kippt die Stimmung. Das Thema wandert durch das Orchester, verändert sich, taucht auf und verschwindet wieder. Am Ende bäumt es sich noch einmal mächtig in den Blechbläsern auf, bevor es in schweren Akkorden und Paukenschlägen untergeht. Der zweite Satz ist ein Scherzo voller Kraft und erdiger Tanzrhythmen – ein Ländler, der an Bruckner erinnert, aber mit Mahlers unverwechselbarem Schwung. Dann folgt der berühmte dritte Satz, ein „Feierlich und gemessen“ gesetzter Trauermarsch, der mit dem Kanon Bruder Jakob beginnt, gespielt vom Kontrabass. Mahler verwandelt das Kinderlied in eine groteske Prozession, die von einer fast volkstümlichen Blaskapelle begleitet wird. Doch plötzlich öffnet sich ein lyrisches Fenster: eine Melodie aus den Gesellen-Liedern, warm und menschlich. Es bleibt ein kurzer Trost, denn der Trauermarsch kehrt zurück und führt in einen lärmenden Beckenschlag – den Auftakt des Finales. Der letzte Satz bricht stürmisch los. Nach der wilden Einleitung formt sich ein marschartiges Thema, das sich in leidenschaftlichen Ausbrüchen steigert. Später tritt ein ruhigeres, gesangliches Thema hinzu, das erneut an die Gesellen-Lieder erinnert. Mahler verknüpft im Verlauf des Satzes Motive aus dem Anfang der Sinfonie mit neuem Material und schafft so einen großen, dramatischen Bogen, der das Werk zusammenhält. Schon in dieser ersten Sinfonie zeigt sich, was Mahler später auszeichnen sollte: die Mischung aus Volksmusik, Lyrik, Naturklang und romantischer Weite. Es ist ein Werk, das nicht nur erzählt, sondern erlebt werden will – ein sinfonischer Erstling, der bereits die Handschrift des späteren Meisters trägt.
Spieldauer: ca. 50 – 55 Min
Genre:
Konzert
Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln
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Tickets & Termine
Mai 2026
Gürzenich-Orchester Köln
Titan
Konzert | Thorvaldsdóttir, Saint-Saëns & Mahler
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Konzert | Thorvaldsdóttir, Saint-Saëns & Mahler
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