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Strauss, Benjamin, Szymanowski & Debussy

Junge Deutsche Philharmonie

Sir George Benjamin | © Chris Christodoulou
Sir George Benjamin | © Chris Christodoulou | Lizenz: Creative Commons

Inhalt

Bomsori, Violine
Sir George Benjamin, Dirigent

Richard Strauss (1864-1949) | „Tod und Verklärung“ op. 24 TrV 158 – Tondichtung für großes Orchester
Richard Strauss erhielt den ersten Musikunterricht von Kollegen seines Vaters, der in München als hochgeschätzter Hornist dem Hoforchester angehörte und später auch als Professor an der Musikakademie wirkte. Noch bevor seine Gymnasialzeit zu Ende gegangen war, wurde Strauss der Münchener Öffentlichkeit als hoffnungsvolles Kompositionstalent vorgestellt. In einem Konzert der Musikalischen Akademie dirigierte Hermann Levi seine mit 16 Jahren verfasste d-Moll-Sinfonie. Seine Karriere als Dirigent begann in Meiningen, wo er 1885 die Leitung der berühmten herzoglichen Kapelle übernahm. Die ersten nachhaltigen Erfolge als Komponist errang er mit seinen an Berlioz und Liszt anknüpfenden Sinfonischen Dichtungen. Nach den Reiseeindrücken „Aus Italien“ und „Macbeth“ nach Shakespeare schuf er 1888 mit dem „Don Juan“ sein erstes Meisterwerk. Die ein Jahr später entstandene Tondichtung „Tod und Verklärung“ fand sogar den Beifall des Wiener Kritikerpapstes Hanslick. Um die Jahrhundertwende entstanden die ebenso umjubelten wie heftig umstrittenen Tondichtungen „Also sprach Zarathustra“, „Don Quixote“, „Ein Heldenleben“ sowie die „Sinfonia domestica“. Doch inzwischen hatte sich Strauss erneut der Oper zugewandt, die zum Zentrum seines späteren kompositorischen Schaffens wurde. Er starb am 8. September 1949 in Garmisch-Partenkirchen.

1889 vollendete Richard Strauss in Weimar die Sinfonische Dichtung „Tod und Verklärung“. Viel wurde über autobiographische Hintergründe dafür spekuliert – auch wenn Strauss jedwede Gerüchte zurückwies. Es ist eine Komposition eines 24-jährigen, der gerade den internationalen Durchbruch mit seiner Tondichtung „Don Juan“ gefeiert hatte. Dennoch beschäftigte er sich in der neuen Komposition intensiv mit dem Thema Tod. Nonchalant sagte er später: „Tod und Verklärung ist reines Fantasieprodukt, kein Erlebnis liegt ihm zugrunde, krank wurde ich erst zwei Jahre danach. Ein Einfall wie ein anderer, wahrscheinlich letzten Endes das musikalische Bedürfnis, ein Stück zu schreiben, das in c-Moll anfängt und in C-Dur aufhört. Qui le sait?“ Nachträglich stellte er ein (erst nach der Komposition entstandenes) Gedicht des Freundes Alexander Ritter dem Werk voran, welches mit den Worten beginnt: „In der ärmlich kleinen Kammer, matt vom Lichtstumpf nur erhellt, liegt der Kranke auf dem Lager. Eben hat er mit dem Tod wild verzweifelt noch gerungen. Nun sank er erschöpft in Schlaf, und der Wanduhr leises Ticken nur vernimmst Du im Gemach.“ Die letzten Zeilen lauten: „Aber mächtig tönet ihm aus dem Himmelsraum entgegen, was er sehnend hier gesucht: Welterlösung, Weltverklärung!“

Das eindringliche Werk beginnt in düsterem Moll mit unregelmäßigen „Herzschlägen“ in Streichern und Pauken, unterlegt mit traurigen Seufzern. Als Schlüsselrhythmus dient ein punktierter Achtelauftakt. Eine melancholische Weise steht für Fieberträume mit Kindheitserinnerungen. Die Partitur ist gespickt mit dichter Chromatik und dramatischen Akzenten, die den Todeskampf nachzeichnen. Die ganze Entwicklung steuert auf das Verklärungsthema hin, das am Schluss in pathetisch-hymnischer Übersteigerung erklingt. Transzendental und mit feierlichem Glanz endet dieses Werk, in dem Strauss „die Todesstunde eines Menschen, der nach den höchsten idealen Zielen gestrebt hatte, also wohl eines Künstlers“ darstellen wollte. Er setzte in Töne, wie letztendlich „die Seele den Körper“ verlässt, „um im ewigen Weltraum das vollendet in herrlichster Gestalt zu finden, was es hienieden nicht erfüllen konnte.“ Es ist kein schmerzlich resigniertes Ende, sondern ein zufriedenes Abschiednehmen, welches Strauss hier nachzeichnet. Als er übrigens 1949 im Sterben lag, machte er einen Tag vor seinem Tod zu seiner Schwiegertochter noch eine letzte Bemerkung: „Merkwürdig, Alice, das mit dem Sterben ist genauso, wie ich’s in Tod und Verklärung komponiert habe.“

Sir George Benjamin (*1960) | Concerto for Orchestra

Der britische Komponist und Dirigent Sir George Benjamin wurde am 1960 in London geboren. Als sechsjähriges Kind hatte er sein künstlerisches Erweckungserlebnis bei einer Vorführung von Disneys „Fantasia“. In der Zeichentrick-Produktion von 1940 wird unter anderem Paul Dukas' „Zauberlehrling“ in Bildgeschichten umgesetzt. Für sein Studium ging George Benjamin zunächst nach Paris zu Olivier Messiaen und setzte seine Ausbildung in Cambridge bei Alexander Goehr fort. In den 1980er-Jahren schrieb er in erster Linie Instrumentalmusik in unterschiedlicher Besetzung und arbeitete in „Antara“ mit Elektronik. Aus seinem musikdramatischen Schaffen, das erst deutlich später entstand, ist die Oper über den Rattenfänger von Hameln „Into the Little Hill“ aus dem Jahr 2006 hervorzuheben – außerdem die 2012 uraufgeführte Oper „Written on Skin“ nach einem Stoff aus dem Mittelalter sowie die 2018 aus der Taufe gehobenen „Lessons in Love and Violence“ über den englischen König Edward II. Als Dirigent arbeitet Benjamin mit den führenden Orchestern der Welt, beispielsweise den Berliner Philharmonikern, und tritt an Häusern wie dem Gran Teatre de Liceu in Barcelona, De Nationale Opera in Amsterdam und dem Moskauer Bolschoi-Theater auf. Häufig leitet er die Aufführung eigener Werke und setzt sich darüber hinaus für zeitgenössische Musik ein.

Das Concerto for Orchestra schrieb George Benjamin von 2019 bis 2021. Er erläutert das Werk mit folgenden Worten: „Dieses Konzert für Orchester wurde in Erinnerung an Oliver Knussen geschrieben, mit dem ich 40 Jahre lang die engste Freundschaft pflegte. Sein Tod im Jahr 2018 wurde in der Musikwelt allgemein betrauert; sein außergewöhnliches Talent als Komponist und Dirigent und seine Freundlichkeit und Großzügigkeit als Mensch sind unersetzlich. In gewisser Weise versucht dieses Werk, eine Spur der Energie, des Humors und des Geistes heraufzubeschwören, die ich mit meinem Freund verbinde. Die Stimmung ist oft spielerisch, obwohl es sich gelegentlich in viel turbulenteres Terrain begibt. Das Stück ist auch dem Mahler Chamber Orchestra gewidmet und wurde für dieses geschrieben – ein Ensemble, mit dem ich eine besonders enge Beziehung entwickelt habe. Es enthält wahrscheinlich die virtuoseste Orchestrierung, die ich je in Angriff genommen habe, und in der jedes Instrument seinen Moment im Rampenlicht hat – daher der Titel. Während der knapp 18-minütigen Dauer, die fast vollständig in einem einzigen Tempo gestaltet ist, entwickelt sich eine große Vielfalt an instrumentalen Erfindungen, die interagieren und sich überlagern. Lange, schwebende Linien weben einen Pfad durch kontrastierende Texturen, einige schnell und sprunghaft, andere dynamisch und treibend. Alle Instrumente schlüpfen in mehrere Rollen – sowohl dramaturgisch als auch klanglich – innerhalb der Struktur, darunter eine flüchtige Solo-Tuba, ausgefeilte Horn-Duos, sprudelnde Klarinetten und zwei polternde Paukenpaare. Am prominentesten sind die leidenschaftlichen ersten Violinen, die im ruhigen Schluss des Werks das letzte Wort haben.“

Karol Szymanowski (1882-1937) | Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 op. 35

Der 1882 in Tymoszówka geborene Karol Szymanowski gilt als Vater der modernen polnischen Musik. Als Komponist, Hochschullehrer, Musikpublizist und konzertierender Künstler prägte er das Musikleben Polens und wurde zum Vorbild von Witold Lutoslawski, der in seinem Werk viele Elemente von Szymanowski weiterführte. Dessen eigenes kompositorisches Schaffen ist maßgeblich von den Stücken Debussys, Regers und Skrjabins beeinflusst. Auf mehreren Reisen nach Italien und Nordafrika gewannen der mediterrane und orientalische Kulturkreis Einfluss auf sein Werk. 1918 entdeckte Szymanowski die Folklore der Góralen, der bäuerlichen Bewohner im Vorland der hohen Tatra, die ihn stark beeindruckte und aus der er Anregungen für die eigene musikalische Sprache bezog. Er starb 1937 in Lausanne.

Mitten im Ersten Weltkrieg entstand 1916 sein erstes Violinkonzert, das er selbst als „unerhört fantastisch und überraschend“ beschrieb. Formal ist es als nur ein Satz, als ein stetes Fließen gestaltet. Zwar lassen sich fünf Abschnitte ausmachen, diese sind aber wohl eher als Phasen einer großen Fantasie zu verstehen: Das „Vivace assai“ beherrscht ein märchenhafter und das „Andantino“ ein leidenschaftlich gesanglicher Ton. Es folgt ein Scherzo, bevor das Konzert mit einem Nachtstück an vierter sowie einem „Vivace“ an fünfter Stelle schließt, welches neben einer Solokadenz eine Rückschau auf die vorigen Abschnitte beinhaltet. Als Inspiration für das Konzert diente ein Gedicht von Szymanowskis Landsmann Tadeusz Micinski mit dem Titel „Noc majowa“ („Mainacht“). Und ebenso romantisch gestaltete Szymanowski manche Passagen – die große Tradition der virtuosen Violinkonzerte des 19. Jahrhunderts verwarf er nicht vollends. Er verstand es aber, einen überbordenden Mix aus Impressionismus, Exotismus und Avantgarde zu schaffen, der eben nicht eklektizistisch auseinanderfällt. Und so ist der Grundcharakter bestechend neu: Die Harmonien dieses Individual-Expressionismus entfernen sich unbestreitbar vom tonalen System, das noch weitgehend die Spätromantik von Mahler und Richard Strauss prägte. Dass das Werk mit einem kaum greifbaren Klangteppich beginnt, über den sich die Violine gesanglich, aber ebenso frei schwebend ausbreitet, und dass es schließlich in hoher Lage zu Tontupfern aus dem Orchester entschwindet, dürfte kein Zufall sein: Was zu hören ist, ist eine komponierte Offenheit, die das Ziel der ästhetischen Veränderungen nicht fixiert, sondern dem Prozess selbst überlässt.

Claude Debussy (1862-1918) | „La Mer“ L 109 – Drei sinfonische Skizzen für Orchester

Ohne sonderliche Unterstützung durch das eher amusische Elternhaus musste Debussy mancherlei Enttäuschungen hinnehmen, bis er als Musiker anerkannt wurde. Misserfolge bei verschiedenen Konservatoriumswettbewerben ließen den noch nicht Zwanzigjährigen alle Ambitionen auf eine Karriere als Klaviervirtuose aufgeben. Erfolgreicher war er wenige Jahre später als Komponist: Seiner Kantate „L’enfant prodigue“ wurde der begehrte Rom-Preis zuerkannt, der verbunden war mit einem dreijährigen Stipendium in der Villa Medici. Nach dem sensationellen Erfolg des 1894 uraufgeführten „Prélude à l'après-midi d'un faune“ war er als Komponist und Begründer des musikalischen Impressionismus anerkannt. Er starb nach langer und schwerer Krankheit in Paris.

„La mer“ schrieb Debussy zwischen 1903 und 1905. Des Komponisten eigene Bezeichnung der drei Sätze als „sinfonische Skizzen“ ist eine ironische Untertreibung, denn diese Musik ist in keiner Weise als beiläufige Gelegenheitsarbeit anzusehen. Vielmehr ist sie mit relativ einfachen Mitteln höchst wirkungsvoll organisiert, leitet sich doch beispielsweise ein Gutteil der musikalischen Substanz des Werkes aus den übereinander geschichteten Quinten des Anfangs ab. Es geht Debussy in seinem Werk nicht um ein Abbild des Meeres, er will keine Programm-Musik schreiben, das reale Meer ist ihm vielmehr Anlass für eine Musik, die die Bewegungen des Meeres in klangliche Äquivalente umsetzt, genauer: in Klänge und Rhythmen. Auf die Umsetzung optischer Eindrücke in musikalische Gestalten kam es Debussy an, und dabei wird ihm die Form zu einem proteushaften Gebilde, das nicht mehr vorgegebenen Formschemata folgt, sondern sich im Fortschreiten gewissermaßen aus sich selbst heraus erzeugt und damit nach Debussys eigenen Worten zum Ausdruck der „geheimnisvollen Übereinstimmung von Natur und Imagination“ wird. Wichtigster Parameter ist dabei der Klang. Er hat die Tendenz, sich zu verflüchtigen, Gestalten zu produzieren, die keine Themen im landläufigen Sinne mehr sind.

So beginnt der erste Satz („Très lent“), dessen Titel „De l'aube à midi sur la mer“ eine Entwicklung der Musik anzukündigen scheint, quasi als die Geburt der Musik aus dem Geiste des Klanges. Ihre Elemente treten hervor: Einzelton, Klangfarbe, Taktart, Motiv, Tonalität, Thema, Entwicklung, und das alles bei bewusstem Verzicht auf sinfonische Kompositionstechnik. Die Aufsplitterung des Klanges, die Schwerelosigkeit des Rhythmus und die nicht mehr fassbare Form setzt sich auch im zweiten Satz („Allegro“) fort, der die Überschrift „Jeux de vagues“ trägt. Der dritte Satz („Animé et tumultueux“) bedeutet eine Art von Synthese aus den ersten beiden, die sich bereits im Titel ankündigt: „Dialogue du vent et de la mer“. Das musikalische Material dieses Dialogsatzes ist denn auch in sich selbst konträr: Es stehen sich chromatische Windklänge und diatonische Meerklänge gegenüber, die aus dem ersten Teil stammen und das den Bedürfnissen des Komponisten adaptierte thematische Grundmaterial bilden.

Genre:
Konzert

Spielstätte
Kölner Philharmonie
Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln
Linien 5, 12, 16, 18 sowie S-Bahnen S6, S11, S12, alle Nahverkehrszüge und die Busse 132, 170, 250, 260 und 978 bis Dom/Hauptbahnhof

Ihre Eintrittskarte ist zugleich Hin- und Rückfahrkarte 2. Klasse im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS).

Tickets & Termine

März 2026

So.
22.
Mär
Sonntag, 22. März 2026 | 18:00 Uhr | Kölner Philharmonie

Junge Deutsche Philharmonie

Konzert | Strauss, Benjamin, Szymanowski & Debussy

Sir George Benjamin | © Chris Christodoulou
Sir George Benjamin | © Chris Christodoulou | Lizenz: Creative Commons

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