Inhalt
Libretto von Lorenzo da Ponte
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Andrés Orozco-Estrada / Leonardo Sini
Inszenierung Katharina Thoma
Bühne Johannes Leiacker
Kostüme Irina Bartels
Licht Nicol Hungsberg
Video Georg Lendorff
Chorleitung Rustam Samedov
Dramaturgie Stephan Steinmetz
Personen der Handlung
Gräfin und Graf Almaviva
Susanna
Figaro
Cherubino
Marcellina
Bartolo
Basilio
Barbarina
Antonio
Don Curzio
Zur Handlung
Ort der Handlung ist das (fiktive) Schloss des Grafen Almaviva, Aguasfrescas, in der Nähe von Sevilla um 1780.
Akt I
Ein helles Zimmer im Schloss des Grafen Almaviva nahe Sevilla. Figaro, Kammerdiener des Grafen, und Susanna, Kammermädchen der Gräfin, bereiten ihr gemeinsames Schlafzimmer vor, welches sie nach der Hochzeit beziehen sollen. Doch Susanna warnt Figaro: Die Nähe zum Gemach des Grafen ist kein Zufall. Almaviva hat sein einst abgeschafftes Recht der ersten Nacht nicht vergessen und begehrt Susanna. Daher findet er stetig Gründe, die Hochzeit des Paares zu verzögern. Figaro erkennt die Gefahr und beschließt, seinem Herrn mit List die Heiratserlaubnis abzuringen. Doch es drohen weitere Hindernisse: Der greise Doktor Bartolo erscheint mit seiner Haushälterin Marcellina. Bartolo sinnt auf Rache, da Figaro einst seine geplante Ehe mit Rosina – der heutigen Gräfin – vereitelte. Figaro indes steht bei Marcellina in der Schuld: für ein Gelddarlehen versprach er ihr einst die Heirat; diese Zusage möchte sie nun einlösen. Cherubino, ein junger Page des Grafen, taucht auf: liebestrunken, ungestüm und in jede Frau verliebt, besonders in Susanna und die Gräfin. Als der Graf überraschend erscheint, versteckt Susanna Cherubino hastig. Almaviva umwirbt Susanna offen und klagt zugleich über die vermeintliche Untreue seiner Frau. Basilio tritt ein - was auch den Grafen ins Versteck treibt – und lässt sich über Cherubinos Umwerben der Gräfin aus. Empört tritt der Graf aus seinem Versteck und verweist den Pagen des Schlosses; Cherubino wird von den Beiden in Susannas Sessel entdeckt. Inzwischen ist Figaro mit einigen Landleuten aufgetreten. Sie huldigen dem Grafen und bitten um Nachsicht für den jungen Schwärmenden. Almaviva mildert nun sein Urteil: Cherubino darf in seinen Diensten bleiben, muss sich jedoch als Soldat verpflichten. Figaro präsentiert Susannas Brautkranz und hofft, den überrumpelten Herren so zu einer Einwilligung zur Hochzeit bewegen zu können – der Graf lässt sich so leicht jedoch nicht bezwingen.
Akt II
Allein in einem ihrer Gemächer beklagt die Gräfin die Untreue ihres Mannes, nachdem Susanna ihr von den Annäherungsversuchen Almavivas berichtet hat. Sentimental erinnert sie sich an die einst blühende Liebe der beiden, die nun durch Entfremdung brachliegt. Figaro kommt hinzu und gemeinsam entwerfen sie einen Plan, um die Machenschaften des Grafen zu enthüllen, sodass dieser endlich der Hochzeit zustimmen muss: Susanna soll ein heimliches Rendezvous versprechen, zu dem jedoch Cherubino in Susannas Kleidern erscheinen soll; dabei sollen beide von der Gräfin überrascht werden. Der Graf erhält zudem einen Brief, der ihm von einer angeblichen Affäre seiner Frau berichtet. Während der Page angekleidet wird, erscheint Almaviva, aufgestachelt durch besagten Brief. Cherubino wird in ein Kabinett gesperrt, Susanna versteckt sich. Nachdem der misstrauische Graf ein Geräusch aus dem Kabinett vernommen hat, verlangt er Einlass und geht schließlich, Werkzeug zu holen, um den Raum aufzubrechen. Währenddessen gelingt es Cherubino durch das Fenster in den Garten zu entkommen, Susanna nimmt seinen Platz ein. Als der Graf das Kabinett öffnet, scheint die Situation geklärt. Figaro tritt auf, um wiederum die Hochzeit einzufordern. Da tritt der Gärtner Antonio auf, erzürnt, da seine schönsten Blumen von einem aus dem Fenster fliehenden Mann zertrampelt worden sind. Er überreicht ein Stück Papier, das dieser verloren hat und Cherubino zu verraten droht: es ist dessen Offizierspatent. Figaro rettet den Pagen: Er sei es gewesen, der aus dem Zimmer geflohen sei - der Page habe ihm sein Patent zur Übergabe an den Grafen anvertraut, da dessen Siegel darauf fehle. Da treten Marcellina, Bartolo auf und fordern Figaro zur Einlösung seines Eheversprechens auf.
Akt III
Ein prunkvoller Saal im Schloss. Susanna verspricht dem Grafen ein nächtliches Treffen im Park. Im Gegensatz zu dem zuvor gefassten Plan, will nun aber statt Cherubino die Gräfin selbst ihren untreuen Gemahl in Susannas Kleidern erwarten, um ihn zurückzugewinnen. Freudig stimmt er zu und erklärt sich bereit im Gegenzug Figaros Schuld bei Marcellina zu begleichen. Doch als Susanna ihrem Verlobten diese frohe Botschaft überbringt, werden die beiden von Almaviva belauscht, der seinem Zorn daraufhin freien Lauf lässt. Der Richter Curzio wird bestellt und verurteilt Figaro dazu, entweder direkt zu zahlen oder Marcellina zu heiraten. Da stellt sich plötzlich heraus, dass Figaro der verlorene Sohn Marcellinas und Dr. Bartolos ist – eine Heirat ist nun also ausgeschlossen und der Graf kann sich Susannas und Figaros Glück nicht mehr in den Weg stellen. Die Gräfin indes will ihren Plan weiter in die Tat umsetzen: Sie verfasst einen Brief an Almaviva, der mit einer Nadel verschlossen wird; die Rückgabe der Nadel soll als Zeichen des Einverständnisses fungieren. Susanna und Figaro können endlich Hochzeit feiern. Inmitten der Festgemeinschaft tanzt Cherubino in Frauenkleidern, wird aber dennoch entdeckt. Barbarina, Tochter des Gärtners Antonio, besänftigt den Grafen und Susanna steckt diesem heimlich den Brief der Gräfin zu.
Akt IV
Im vom Mondenschein erleuchteten Schlosspark trifft Figaro auf Barbarina, die verzweifelt nach der verlorenen Nadel der Gräfin sucht. Er erfährt von ihr von der vermeintlichen Verabredung Susannas mit dem Grafen und wird rasend vor Eifersucht. Als Susanna in den Kleidern der Gräfin auftritt, erkennt er sie zwar sofort, macht sich aber einen Spaß daraus, ihr vorzugaukeln, der Gräfin den Hof zu machen, um ihr eine Kostprobe des eigenen Gifts zu verabreichen. Indes begegnen sich auch Graf und Gräfin – er jedoch erkennt seine Frau nicht und macht dem vermeintlichen Kammermädchen glühende Liebeserklärungen. Cherubino, der - ebenso wie auch Curzio, Basilio, Antonio, Bartol und Marcellina – durch den Garten geistert, tritt an die Gräfin heran, die er für Susanne hält, und möchte diese küssen. Der Graf tritt dazwischen; es entsteht ein Gerangel und Almaviva ruft nach bewaffnetem Personal. Mit deren Auftritt lichtet sich das Dunkel des Gartens und der Graf muss beschämt erkennen, dass seine eigene Frau vor ihm steht. Vor den Augen aller bittet er sie um Verzeihung. Sie gibt seinem Bitten statt und die vereinten Paare preisen am Ende dieses „tollen Tags“ die Liebe und deren lebensbejahende Kraft.
Kontext
Mit Le nozze di Figaro wagten Mozart und Lorenzo Da Ponte einen außergewöhnlichen Schritt: Sie verwandelten Beaumarchais’ hochaktuelles, politisch aufgeladenes Lustspiel La folle journée in eine Oper, die gesellschaftliche Hierarchien nicht frontal attackiert, sondern musikalisch unterwandert. Zwar wurden die schärfsten politischen Monologe der Vorlage entschärft, doch Figaros kritische Haltung bleibt unüberhörbar. In seiner frühen Arie »Se vuol ballare« begegnet er dem Grafen mit Spott und kaum verhüllter Drohung – ein Tanz im Dreivierteltakt, der durch marschartige Züge, gedämpfte Streicherpizzicati und abrupte melodische Sprünge eine Atmosphäre von unterdrückter Wut und sozialer Spannung erzeugt. Hier wird deutlich, dass die Konflikte dieser Komödie nicht bloß privat, sondern Ausdruck eines brüchig gewordenen Machtgefüges sind, in dem der adelige Hausherr zunehmend die Kontrolle verliert.
Musikalisch hebt Mozart die Opera buffa auf eine neue Ebene dramatischer Geschlossenheit. Arien, Rezitative und Ensembles greifen ineinander, Szenen und Akte entfalten sich als zusammenhängende musikalisch-szenische Prozesse. Besonders die großen Finalensembles des zweiten und vierten Aktes bündeln Intrige, Verwirrung und Enthüllung in stetig wachsender Verdichtung. Keine Figur steht isoliert im Mittelpunkt: Das Innere der Charaktere offenbart sich vor allem im Zusammenspiel der Stimmen. Diese Ensemblekunst erzeugt ein dichtes Beziehungsgeflecht, in dem politische Macht, erotische Spannung und soziale Rollen permanent neu ausgehandelt werden. Die komödiantische Oberfläche täuscht dabei nicht über die Ernsthaftigkeit der musikalischen Konstruktion hinweg, sondern macht sie umso wirkungsvoller.
Eine Schlüsselrolle in diesem Gefüge spielt Cherubino – eine schillernde Zwischenfigur, gesungen von einer Frau, halb Kind, halb Begehren, jenseits klarer geschlechtlicher und sozialer Zuordnung. Als unstete Kraft der Liebe bringt er die Ordnung des Hofes ins Wanken und entlarvt die Eitelkeit und Unsicherheit männlicher Autorität. Demgegenüber stehen Susanna und die Gräfin als moralisches Zentrum der Oper: standhaft, solidarisch und handlungsfähig. Gerade die Frauen treiben die Intrige voran und erzwingen am Ende jene Umkehr, die den Grafen zur Bitte um Vergebung zwingt. In dieser Konstellation verbindet Mozarts Musik Sinnlichkeit mit Humanität und gesellschaftlicher Kritik. Le nozze di Figaro wird so zu einer Komödie, in der politische Sprengkraft, psychologische Feinzeichnung und musikalische Erfindungskraft untrennbar ineinandergreifen – ein Werk, das seine Zeit spiegelt und zugleich weit über sie hinausweist.
Die Kölner Neuproduktion von Katharina Thoma lädt das Publikum zu einer faszinierenden Zeitreise durch die Jahrhunderte ein. Dabei bleibt das Schloss des Grafen Almaviva stets der zentrale Schauplatz, doch mit jedem Akt wandeln sich Epoche und Atmosphäre: So beginnen wir den Abend in der Gegenwart, wo Restaurator*innen damit beschäftigt sind, die historischen Mauern und Möbel des Schlosses zu erneuern. Bald wandelt sich die Szene jedoch und versetzt die Handlung des zweiten Akts in die 1920er Jahre, in denen das leicht baufällige Anwesen von einem zweifelhaften Grafen und seinem Gefolge bewohnt wird. Der dritte Akt führt uns schließlich in die 1780er Jahre, die Zeit der Entstehung der Oper, zurück, in der das Schloss in ganzer Pracht erstrahlt. Final tauchen wir schließlich in den mythischen Ursprung menschlicher Dramen ein und befinden uns passend dazu in einem annährend paradiesischen Garten, umgeben von antiken Götterstatuen. Diese rückwärts gerichtete Zeitreise, die sich nicht nur im Bühnenbild, sondern auch in einem variantenreichen Kostümbild vermittelt, enthüllt Schicht um Schicht die zeitlosen Geheimnisse der menschlichen Komödie und zeigt, wie die großen Themen der Oper durch alle Epochen hindurch ihre Gültigkeit behalten.
Genre:
Oper
Rheinparkweg 1
50679 Köln
Deutsche Bahn bis Köln Messe/Deutz
Bus 150 bis Haltestelle Im Rheinpark (dieser Bus fährt auch über den Deutzer Bahnhof)
Bus 250 / 260 bis Haltestelle Bf Deutz/Messeplatz
Der Opernbus:
Die Shuttlebusse fahren die Haltestellen "Bahnhof Deutz/Messe" (Ottoplatz, Bussteig C), "Bahnhof Deutz/Messeplatz" (Messeplatz, Bussteig D&E) und "Oper Köln im StaatenHaus" an. Die Haltestelle vor dem Staatenhaus wurde extra von der KVB für den neuen Opernbus eingerichtet.
Ab sofort wird der Opernbus diese Haltestellen jeweils ab 60 Minuten vor und bis 30 Minuten nach der Vorstellung (ausgenommen sind hierbei Vormittagsveranstaltungen) kostenlos als Shuttle-Service anfahren.
Tickets & Termine
März 2026
Le nozze di Figaro
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