Inhalt
Uraufführung: 1866 in Prag
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Eine Koproduktion mit Teatro Real Madrid, La Monnaie Brüssel und Opéra National de Lyon
Dauer: 2 ¾ Stunden inklusive Pause
Mitwirkende
Musikalische Leitung: Tomáš Netopil/Arne Willimczik
Inszenierung und Kostüme: Laurent Pelly
Szenische Einstudierung: Luc Birraux
Bühne: Caroline Ginet
Co-Kostümbildner: Thomaz Le Gouez
Licht: Urs Schönebaum
Chorleitung: Rustam Samedov
Dramaturgie: Stephan Steinmetz
Besetzung
Marie, Tochter von Ludmila und Kruschina - Sopran
Hans, Michas Sohn aus erster Ehe - Tenor
Wenzel, Michas Sohn aus dessen zweiter Ehe mit Hata - Tenor
Kezal, Heiratsvermittler - Bass
Kruschina, ein Bauer und Vater von Marie - Bariton
Ludmila, seine Frau - Sopran
Micha, Grundbesitzer - Bass
Háta (Agnes), Michas zweite Frau - Mezzosopran
Zirkusdirektor - Buffo Tenor
Esmeralda, Tänzerin - Soubrette
Chor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln
Die tagesaktuelle Besetzung finden Sie im Internet unter www.oper.koeln zu den jeweiligen Aufführungsterminen
Handlung:
Eine (weitgehend) komische Oper mit einem Paar, dass sich liebt (natürlich Sopran und Tenor). Mit Eltern und einem Heiratsvermittler, die jedoch eigene Heiratspläne mit dem Nachwuchs haben. Mit Verwicklungen, die letztlich aber doch zu einem Happy End führen. Dazu „böhmisches“ Lokalkolorit eines Dorfes im 19. Jahrhundert und im dritten Akt sogar noch ein Zirkus auf der Bühne. Was will man mehr?
1. Akt
Die Dorfgemeinschaft feiert Kirchweih. Nur Marie steht traurig am Rande. Sie soll vor allem aus finanziellen Erwägungen mit Wenzel, dem Sohn des Grundbesitzers Micha aus zweiter Ehe, verheiratet werden, liebt aber Hans. Hans versucht, sie aufzuheitern, und Marie schwört ihm ewige Liebe und Treue. Hans Herkunft liegt für alle im Dorf – außer für ihn selbst – im Dunkeln. Auf Maries Nachfrage erzählt er zwar, dass er von seiner bösen Stiefmutter von zu Hause vertrieben worden sei, aber nicht, dass er Michas Sohn aus dessen erster Ehe ist. Die „böse Stiefmutter“ ist ein Motiv mit realem Hintergrund: Wenn seinerzeit die erste Frau z.B. bei der Geburt eines Kindes (Sohnes) starb, versuchte die zweite Ehefrau manchmal, sich und ihren Kindern (Söhnen) das Erbe zu sichern und dem Erstgeborenen streitig zu machen.
Szenenwechsel: Kruschina und Ludmila, Maries Eltern, und der Heiratsvermittler Kezal erscheinen, um ihre Pläne und die Details der von ihnen geplanten „guten Partie“ für Marie zu besprechen. Ihr Vater Kruschina hat mit dem reichen Gutsbesitzer Micha einen Handel abgeschlossen, dem zufolge seine Tochter dessen Sohn Wenzel heiraten soll. Marie verweigert natürlich ihre Zustimmung, da sie Hans liebt. Während Kezal und der Vater Marie bedrängen, möchte ihre Mutter keine Hochzeit ohne die Zustimmung ihrer Tochter. Das lässt den auf eine „Provision“ spekulierenden Heuratsvermittler Kezal nicht ruhen. Kezal, der in seinem Selbstbewusstsein und Überzeugung, alles regeln zu können, an die Figur des Bürgermeisters van Bett in Lortzings komischer Oper „Zar und Zimmermann erinnern lässt, verspricht, das „Problem“ zu lösen, indem er Hans überreden werde, auf Marie zu verzichten
2. Akt
Nach der Exposition der Personen und des Problems im 1. Akt passiert im zweiten gar nicht so viel, aber dafür Entscheidendes – aber der Reihe nach:
Marie trifft den stotternden und den – nun ja – etwas unbeholfenen Wenzel, der sie – seine zukünftige Braut - nicht (er-)kennt. Sie entwirft ihm ein düsteres Bild von seiner zukünftigen Braut, also von sich selber. Seine künftige Braut werde ihn hintergehen, sich freuen, ihn zu ärgern, zu betrügen und zu quälen. Aber es gebe eine andere Frau, die ihn liebe und heiraten würde, wenn er auf Marie verzichte. Wenzel glaubt ihr und verspricht, auf Marie zu verzichten.
Derweil versucht Kezal seinerseits, Hans zu einem Verzicht auf Marie zu überreden. Zum einen schildert er die Aussichten eines Mannes in der Ehe in düsteren Farben. Er versucht ihn zu überzeugen, dass bei der Brautwahl nicht die Liebe, sondern das Geld entscheidend sei. Konsequent bietet er Hans Geld, wenn er auf Marie verzichtet. Hans handelt ihn auf 300 Gulden hoch und „verkauft“ seine Braut – allerdings unter der Bedingung, dass Marie nur vom Sohn des Micha geheiratet werden dürfe. Kezal stimmt erfreut zu, da er nur an Michas Sohn Wenzel denkt. Der Handel ist perfekt: Kezal glaubt, Hans habe seine Braut verkauft und nun könne Wenzel Marie heiraten. Hans weiß es besser, behält das aber für sich. Die Dorfgemeinschaft ist natürlich entsetzt und empört, als sie von diesem Handel hört. Nicht zu Unrecht, denn was Hans mit dem Heiratsvermittler Kezal ausgehandelt hat, ohne es mit seiner Geliebten Marie abzusprechen, erscheint schon dreist: die Braut an einen „anderen“ zu verkaufen, auch wenn man zu guter Letzt selber diese andere Person ist.
3. Akt
Zurück auf dem Dorfplatz des 1. Aktes baut ein Wanderzirkus sein Zelt auf. Als Wenzel Esmaralda, die Tänzerin des Zirkus, sieht, verliebt er sich prompt in sie und er glaubt nun mit ihr sein Glück gefunden zu haben. Marie ist allerdings verzweifelt, als sie erfährt, dass Hans sie für 300 Gulden „verraten und verkauft“ hat. Alle versuchen sie zu trösten – vergeblich. Als Hans gut gelaunt auftaucht und versucht, ihr alles zu erklären, fühlt sie sich von ihm verhöhnt und lässt ihn kaum zu Wort kommen. Erst als die beiden Elternpaare auftauchen und Micha in Hans seinen Erstgeborenen erkennt, löst sich die Situation zum Happy End auf: Marie kann ihren geliebten Hans endlich heiraten und sowohl die Vereinbarung zwischen Kruschina und Micha als auch jene zwischen Hans und Kezal werden eingehalten. Einzig und allein Kezal schaut in die Röhre.
Zum Werk:
Smetanas „Die verkaufte Braut“ wurde am 30. Mai 1866 in Prag uraufgeführt und zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Opern des komischen Repertoires. Dies liegt zum einen natürlich in der Musik Smetanas begründet. Angefangen mit der furios virtuosen Ouvertüre verbindet Smetana eingängige Melodien, schwungvolle Tänze und mitreißende Chöre zu einem abwechslungsreichen Musik- und Opernerlebnis. Die Orchestrierung ist farbenreich und unterstützt den komödiantischen Charakter des Werkes. Häufig wurden und werden diese Eigenschaften ebenso klischeehaft wie falsch mit böhmisch-musikalischer Volkstümlichkeit gleichgesetzt.
Zum anderen liegt der Erfolg natürlich aber auch an der Geschichte: In einer farbenfrohen, ländlichen Dorfkulisse erzählt das Libretto voller Wärme von Liebe, Tradition und dem Sieg der Liebe über Konvention und Vereinbarungen. Darüber hinaus hat aber sicherlich auch die nachträgliche Stilisierung der Oper als tschechische Nationaloper zur Erfolgsgeschichte der „Verkauften Braut“ beigetragen. Dafür spricht das Lokalkolorit des böhmischen Dorfes, der ein oder andere Tanz (Furiant) und vor allem die Verwendung der tschechischen Sprache. Aber eigentlich ist „Die verkaufte Braut“ – vor allem musikalisch – eine gelungene komische Oper ihrer Zeit.
Zu dieser Inszenierung:
Bei der Kölner Inszenierung handelt es sich um eine Koproduktion mit dem Teatro Real Madrid, mit dem La Monnaie Brüssel und der Opéra National de Lyon. Im Teatro Real Madrid hatte diese Neuinszenierung des international, renommierten Regisseurs Laurent Pelly (geb. 1962 in Paris) im Frühjahr 2026 ihre erfolgreiche Premiere.
Laurent Pelly entgeht der Gefahr, die Oper als eine Art „komische, böhmische Volksoper“ klischeehaft in Pappmaché-Kulissen und mit überladenen Kostümen zu inszenieren. Dies wird u.a. durch das Bühnenbild von Caroline Ginet erreicht, das zunächst verblüfft, vielleicht sogar „ent-täuscht“: In den ersten beiden Akten ist die Bühne nahezu leer. Nur eine Vielzahl von Gegenständen hängt wie eine Wolke über der Bühne. Erst im dritten Akt wird ein offenes Zirkuszelt auf der Bühne aufgebaut. So gibt die Inszenierung der Musik und den handelnden Personen Raum für ihre Entwicklung und wird dem komischen (aber zeitweise auch dramatischen) Charakter des Librettos gerecht, ohne ins klamaukhafte Triviale abzugleiten.