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Adès, Barber & Holst

Gürzenich-Orchester Köln

Galaktisch

Renaud Capuçon  | © Marco Borggreve
Renaud Capuçon | © Marco Borggreve

Inhalt

Renaud Capuçon, Violine
Frauenchor der HfMT Köln
Harry Ogg, Dirigent


Thomas Adès (*1971)
Three-piece Suite from Powder Her Face
revidierte Fassung 2018

Thomas Adès wurde 1971 in London geboren. Er studierte Klavier und Komposition an der Guildhall School of Music und dann am King's College in Cambridge, wo er 1992 die Abschlussprüfung mit Auszeichnung bestand. Als er 1989 beim Wettbewerb der BBC „Young Musician of the Year“ den zweiten Preis (Klavierklasse) erhielt, schien eine Karriere als Pianist vorgezeichnet. Doch der Preis führte ihn zur Komposition, 1990 erschien sein erstes Stück („Five Eliot Landscapes“). Abgesehen von der Fülle an mittlerweile komponierten Werken ist er als Pianist und Dirigent für zahlreiche Orchester und Festivals tätig. Thomas Adès ist heute einer der eindrucksvollsten Gestalten der zeitgenössischen klassischen Musik; in seiner Heimat wird er sogar als „neuer Benjamin Britten“ gefeiert. In seinen Werken experimentiert er stets mit Farben, die er gelungen kombiniert.
Die Kammeroper „Powder Her Face“ brachte Thomas Adès erst richtig internationale Anerkennung. Sie wurde im Auftrag der Almeida Opera für das Cheltenham Festival 1995 auf ein Libretto von Philip Hensher komponiert. Rückschauend und geschickt zwischen Imagination und Erinnerung changierend wird darin das lustvolle wie skandalträchtige Leben der Upperclass-Lady Margaret Campbell, Duchess of Argyll (1912-1993) geschildert. Der damals 24-jährige Tonschöpfer kombinierte hierfür klassische Themen mit jazzigen Aspekten und Tanzmusik des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts. Die dreiteilige Suite stellte er dann 2007 zusammen – sie besteht aus den Sätzen „Ouverture“, „Waltz“ und „Finale“. In einer Kritik heißt es darüber: „Die Ouvertüre ist ein witziges, beschwipst-stolperndes und torkelndes Stück mit Tango-Anleihen, dissonanten Härten und Glissando-Rutschern. Den kommenden Katzenjammer ahnt man schon – im Gegensatz dazu verraten die lächelnden Gesichter der Musikerinnen und Musiker, welchen Spaß sie an der Sache haben. Der Titel des zweiten Teils (,Waltz‘) verrät zwar, dass es hier auch um den 3/4-Takt geht, aber seinem Hang zu Brüchen getreu streut Adès auch auf diesen Tanzboden manche Kieselsteine, die Geigen zirpen und zwitschern, Flöten und Holzbläser bilden humorige Kontraste. Manchmal hat man Kurt Weill im Kopf, der diese musikalische Posse sicher gemocht hätte. Versuche, leichtfertig zu sein, machen Drohungen aus der Tiefe zunichte. Im „Finale“ lädt Adès erneut zu einem Tango, wiederum mit heftigen Rhythmus-Stolperern und humorigen Ausrutschern.“

Samuel Barber (1910-1981)
Konzert für Violine und Orchester op. 14
1939

Samuel Barber wurde am 09. März 1910 in West Chester, Philadelphia, geboren. Schon als Dreizehnjähriger begann er mit dem Studium des Kontrapunktes. Von seinem 14. bis 21. Lebensjahr studierte er am Curtis Institut in Philadelphia Komposition und Gesang bei Fritz Reiner und Rosario Scalero. 1932 schloss er seine Studien ab. Bereits während der Ausbildung wurde ihm von der Columbia University der Bearus-Preis verliehen, dem eine Reihe hoher Auszeichnungen folgten: 1935 war er Gewinner des Pulitzer-Preises sowie des amerikanischen Rom-Preises und 1936 ehrte man Barber abermals mit dem Pulitzer-Preis, wobei diese doppelte Verleihung zuvor noch nie einem Komponisten zuteilgeworden war. Die Preise ermöglichten ihm einen Studienaufenthalt in Italien. Außerdem erregte er die Aufmerksamkeit des berühmten Dirigenten Toscanini, der 1938 ein zwei Jahre zuvor entstandenes „Adagio for Strings“ sowie einen (ersten) „Essay“ für Orchester uraufführte – und Barber damit schlagartig bekannt machte. Zeit seines Künstlerlebens strebte dieser nach Erfolgen auf der Opernbühne, doch gerade die blieben ihm versagt. Seine Oper „Vanessa“ wird zwar gelegentlich noch gespielt, aber mit „Antonius und Kleopatra“, die 1966 das neue Metropolitan Opera House im Lincoln Center in New York eröffnete, produzierte er eines der großen Opern-Fiaskos. Ungleich erfolgreicher war er mit seiner Instrumentalmusik, mit der er sich in der Gunst des amerikanischen Publikums behaupten konnte. Barber starb am 24. Januar 1981 in New York.
Die Stilfindung der vitalistischen, amerikanischen Musik des 20. Jahrhunderts, vertreten besonders von den Komponisten Virgil Thompson, Aaron Copland, William Schuman und Samuel Barber, ist stark von Igor Strawinsky und dem amerikanischen Jazz beeinflusst. Jeder einzelne von den Genannten bildete im angedeuteten Rahmen seinen persönlichen Stil, der bei Barber trotz seines Europa-Aufenthaltes am deutlichsten als „amerikanischer” zutage tritt. Er gehörte seiner Richtung nach einer ausgeprägten Neu-Romantik an, die er in den Vereinigten Staaten repräsentativ vertrat. Und er blieb sein Leben lang Vorbildern wie Bach, Chopin und Fauré verbunden. Seine Stellung in der musikalischen Entwicklung wurde oft mit der von Johannes Brahms verglichen: Starke persönliche Ausdruckskraft und stilistische Reife, verbunden mit dem Ruf, nicht eben fortschrittlich zu komponieren. Sein Schaffen lässt sich in zwei Stilgruppen einteilen, die etwa durch das Jahr 1939 voneinander getrennt sind: Die erste Gruppe ist sehr traditionsgebunden, tonal und lyrisch. Zwar hielt diese gesangliche Ausprägung als typische Kompositionseigenart Barbers auch nach 1939 noch an, doch er schaffte es, seine musikalischen Ausdrucksmittel durch kompliziertere Rhythmisierungen, Chromatik und Anhäufung von dissonanten Elementen zu erweitern.
Insgesamt ist Barbers Musik formal sehr geordnet, was in der Verbindung mit ihrer kantablen Melodik ihre Beliebtheit ausmacht. Die Werke sind meist an klassischen, selten an barocken Formen ausgerichtet. Wie Barber selbst in einer seiner wenigen Äußerungen über sein Komponieren 1971 bekannte, lasse er in textgebundenen Werken die Musik aus den Worten fließen; in einer Klaviersonate oder einem Konzert hingegen schreibe er, was er fühle – so wohl auch bei seinem Violinkonzert op. 14, das 1939 entstand. Eine lyrische Ruhe kennzeichnet das Werk aus; poetische, traurig gefärbte Melodien sind hier charakteristisch. Das Hauptthema in G-Dur erklingt zunächst in den Violinen. Ein zweites hüpfendes Thema erscheint in den Klarinetten. Das erste Thema kehrt zurück und führt in einen kurzen dissonanten Ausbruch. Der Verlauf widmet sich nun überwiegend einer aufsteigenden Variation des Themas. Das Andante in der ABA-Form beginnt mit einer Oboenmelodie; die Solovioline stimmt eine zweite Melodie an, die dunkler gefärbt ist als die Oboe. Diese Melodien sind einfach und klar, ein Minimum an solistischer Akrobatik ist von Nöten. Dass das Finale die Form eines „Perpetuum Mobile“ annahm, ist wahrscheinlich das Ergebnis der Forderung seiner Auftraggeber; seine unregelmäßigen Rhythmen und seine verhältnismäßig dissonante Struktur spiegeln Barbers Wunsch wider, neue Wege einzuschlagen.

Gustav Holst (1874-1934)
Die Planeten op. 32
1914–16

Gustav Holst wurde am 21. September 1874 im britischen Cheltenham geboren. Seine kompositorische Begabung, die schon 1886 zutage trat, wurde anfangs von seinem Vater unterdrückt. Erste Grundlagen aus der Instrumentallehre von Hector Berlioz eignete sich Holst heimlich in der Nacht an. Als er nach dem Schulabschluss als Organist angestellt wurde, gab der Vater seine Zustimmung zum Kompositionsstudium am Royal College of Music. Holst arbeitete im Anschluss daran bis zu seinem Lebensende als Musiklehrer und fand daher nur am Wochenende und in den Ferien Zeit zum Komponieren. Er starb am 25. Mai 1934 in London.
Die Anregung zu seinem berühmten Werk „Die Planeten“ op. 32 erhielt Holst im Frühjahr 1913 auf Mallorca, wo er mit Freunden Urlaub machte. Er entwickelte dort ein Interesse an Astrologie. Die Suite für Orchester, sein erstes größeres Stück, komponierte er zwischen 1914 und 1916. Nach nur zwei Stunden Probe erfolgte im September 1918 eine private Aufführung in der Queen‘s Hall, wenige Wochen später wurden die ersten fünf Sätze öffentlich aufgeführt. In insgesamt sieben Sätzen werden in dem Werk die charakteristischen Bilder einzelner Planeten mit unterschiedlichen stilistischen Mitteln dargestellt: Den ersten Satz der Orchestersuite, „Mars, Bringer of War“ (Mars, der Kriegsbote), beendete Holst vor Beginn des zweiten Weltkrieges. Er ist also keine Reaktion darauf. Der Satz enthält zwei grundlegende musikalische Ideen, einen einfachen geklopften Rhythmus in Pauken und Streichern und die rastlose Bewegung von Akkordblöcken in Holzbläsern und Bässen. In der Mitte des Satzes wechselt der Rhythmus. Die Tenortuba bringt ein neues Thema, dessen Charakter den Eindruck erweckt, Holst habe den Ragtime im Kopf gehabt, der zu der Zeit populär wurde. Von gegensätzlichem Charakter ist der zweite Satz, „Venus, the Bringer of Peace" (Venus, die Friedensbotin). Eine absteigende Linie der Flöte antwortet den vier aufsteigenden Noten des Solohorns. Nach einem strahlenden Holzbläserakkord erklingt eine liebliche Melodie der Solovioline, die von allen Violinen wiederholt wird. Den durchsichtig instrumentierten Satz beschließen leise Töne der Celesta.
„Merkur, the Winged Messenger“ (Merkur, der geflügelte Bote) ist in rastloser Bewegtheit, mit kleinen Achtelmotiven dargestellt. Helle Klänge der Harfen und Celesta, die in allen Sätzen das Himmlische assoziieren, treten hier in den Vordergrund. Über den Satz „Jupiter“ („Bringer of Jollity“, Bote der Fröhlichkeit) sagt die Legende, dass beim ersten Erklingen die Putzfrauen in den Korridoren des Konzertsaals ihre Scheuerbürsten wegwarfen und zur Musik tanzten. Jupiter, auch bekannt als der majestätische Herrscher der Götter, wird im Mittelteil durch eine Melodie dargestellt, die uns in Verbindung mit den Worten „I vow to thee, my country" bekannt ist. Der folgende Satz, „Saturn, the Bringer of Old Age“ (Saturn, der Bote des Alters) weist die Kraft und die Kühnheit späterer Werke von Holst auf. Die Flöten markieren den unerbittlichen Schritt der Zeit. Eine langsame, tiefe Phrase im Kontrabass scheint die Heimtücke anzudeuten, mit der sich das Alter nähert. Sie wird von Violinen und Heckelphon (einer sehr selten verwendeten Tenor-Oboe) übernommen. Glocken, die mit Metallschlägeln geläutet werden, verkünden den Verlust der Jugend. Mit ihrem Verklingen verschwindet die tragische Stimmung. Eine trostvolle Coda beschließt den Satz, der nicht nur die schlechten, sondern auch die schönen Seiten des Alters beleuchtet. „Uranus, the Magician“ (Uranus, der Magier) stellt sich mit einer Zauberformel vor, die vier lang gehaltene Töne umfasst. Zwei tanzartige Abschnitte werden ebenfalls von nicht singbaren Melodien beherrscht. Der letzte Satz über „Neptun, the Mystic“ (Neptun, der Mystiker) ist ausgesprochen impressionistisch orchestriert. Der ganze Satz soll durchgehend sehr leise gespielt werden. Imogen Holst, die Tochter des Komponisten bemerkte dazu: „Dies ist nicht das tote Schweigen der Verzweiflung – es ist die tiefe Konzentration auf einen weiten Blick in die Unendlichkeit“. Die Musik zeigt in diesem Satz keine klar umrissenen Themen, alles scheint unbestimmt und körperlos. Ein Frauenchor, der in einem angrenzenden Raum aufgestellt werden soll, singt ohne Worte einen leisen Klang, der seelenlos wirkt.

Genre:
Konzert

Spielstätte
Kölner Philharmonie
Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln
Linien 5, 12, 16, 18 sowie S-Bahnen S6, S11, S12, alle Nahverkehrszüge und die Busse 132, 170, 250, 260 und 978 bis Dom/Hauptbahnhof

Ihre Eintrittskarte ist zugleich Hin- und Rückfahrkarte 2. Klasse im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS).

Tickets & Termine

März 2026

So.
08.
Mär
Sonntag, 08. März 2026 | 11:00 Uhr | Kölner Philharmonie

Gürzenich-Orchester Köln

Galaktisch

Konzert | Adès, Barber & Holst

Renaud Capuçon  | © Marco Borggreve
Renaud Capuçon | © Marco Borggreve

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