Philharmonische Highlights
6 Konzerte
Inhalt: Luxembourg Philharmonic · Nationales Sinfonieorchester Litauen · Academy of St Martin in the Fields · Mahler Chamber Orchestra · +2
Nuron Mukumi, Klavier
Gintaras Rinkevicius, Dirigent
Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58 (1804-07)
Ludwig van Beethoven wurde am 16. Dezember 1770 in Bonn geboren. Er stammte aus einer aus dem Flämischen eingewanderten Musikerfamilie und wurde sehr früh zunächst vom Vater musikalisch ausgebildet, später dann von Christian Gottlob Neefe (ab 1782). Sein erstes öffentliches Konzert gab er - ähnlich wie Mozart als "Wunderkind" angepriesen - 1778 in einem Kölner Akademiekonzert. Ab 1783 veröffentlichte er erste Werke und arbeitete als Organist und Cembalist bei der Bonner Hofkapelle. 1787 begegnete er Mozart während eines Aufenthaltes in Wien, wohin Beethoven auch 1792 übersiedelte. Seit 1793 nahm er u.a. Unterricht bei Joseph Haydn. Parallel zu seinem steigenden Ruhm stellte sich ab 1798 ein rasch wachsendes Gehörleiden ein, welches 1819 zur völligen Ertaubung führte. Er starb am 26. März 1827 in Wien.
Die fünf Klavierkonzerte Ludwig van Beethovens markieren eine nachhaltig wirksame Phase in der Entwicklung der Gattung auf dem Weg vom frühklassischen Instrumentalkonzert des 18. Jahrhunderts zum großen Virtuosenkonzert des 19. Jahrhunderts, bei dem der Solist dem gesamten Orchester als dominierender Antipode gegenübertritt.
Beethovens dreisätziges 4. Klavierkonzert entstand 1805 in Wien, parallel zu seiner Oper Fidelio und zur 5. und 6. Sinfonie. Erste Skizzen finden sich aber bereits in einem Notizbuch aus den Jahren 1802/03 - Beethoven trug ja seine kompositorischen Ideen meist lange mit sich herum, bis er sie schließlich niederschrieb. Die Uraufführung war in jener berühmten öffentlichen Akademie im Theater an der Wien, bei der bereits die 5. und 6. Sinfonie, Teile der C-Dur-Messe und die Chorfantasie op. 80 dem Wiener Publikum erstmals vorgestellt wurden. Das 4. Klavierkonzert gilt als der Höhepunkt der Gattung in der spezifisch Beethovenschen Prägung, die zu einer Vermittlung von konzertantem und sinfonischem Prinzip neigt.
Das 4. Klavierkonzert beginnt zunächst mit einer Überraschung: wider aller damaligen Konventionen setzt im ersten Satz (Allegro moderato) nicht das Orchestertutti ein, um sich mit den Themen zu präsentieren, sondern der Solist macht, piano und dolce, den Anfang mit einer fünftaktigen Variante des ersten Motivs. Sodann, noch seltsamer, antworten die Streicher pianissimo in der sehr weit entfernten Tonart H-Dur. Nach diesen höchst originellen 13 Takten, die später in leicht veränderter Form auch die Reprise einleiten werden, beginnt erst die "normale" Orchesterexposition.
Ein annähernd gleiches Gegengewicht zum 1. Satz bildet das umfangreiche, heiter kapriziöse Final-Rondo (Rondo. Vivace). Dazwischen steht, ebenso kurz wie ausdrucksvoll, ein langsamer Satz (Andante con moto), der so ausschließlich aus der Idee des hochdramatischen, kontrastierenden Dialogs komponiert ist (Klavier und Orchester spielen nie zusammen), dass man glauben könnte, Beethoven habe hier im Extrem das nachgeholt, was er in den Ecksätzen gerade vermieden hatte, nämlich das ältere Prinzip des "Konzertierens" als eines "Wettstreits" zwischen Solist und Orchester.
Johannes Brahms (1833-1897)
Sinfonie Nr. 3 F- Dur op. 90
Der gebürtige Hamburger erhielt den ersten Musikunterricht von seinem Vater, der als Unterhaltungsmusiker und später im städtischen Orchester mehrere Instrumente spielte. Stundengeben, Bearbeitungen von Tanzmusik und Klavierspiel in Theatern verschafften ihm seinen ersten Verdienst als Musiker. Kein Geringerer als Robert Schumann machte 1853 die musikinteressierte Welt in einem geradezu enthusiastischen Artikel in seiner "Neuen Zeitschrift für Musik" auf die Bedeutung des jungen damals noch wenig bekannten Komponisten aufmerksam. "Ich dachte, [...] es würde [...] einmal plötzlich Einer erscheinen, der den höchsten Ausdruck der Zeit in idealer Weise auszusprechen berufen wäre, einer, der uns die Meisterschaft nicht in stufenweiser Entfaltung brächte, sondern, wie Minerva, gleich vollkommen gepanzert aus dem Haupte des Kronion spränge. Und er ist gekommen, .... Er heißt Johannes Brahms." Brahms' Begegnungen mit dem Geiger Joseph Joachim, mit Clara und Robert Schumann, mit Franz Liszt und mit dem Dirigenten Hans von Bülow führten in den 1850er Jahren zu wichtigen kompositorischen Befruchtungen und sich stetig ausbreitendem Ruhm. Nach einigen Jahren als Hofmusikdirektor in Detmold übersiedelte der Komponist 1864 nach Wien, wo er sich 1869 endgültig niederließ und trotz mehrerer öffentlicher Funktionen vorwiegend seinem Komponieren lebte. Von den musiktheoretischen Richtungskämpfen, in denen er, ohne es zu wollen, das "Haupt" einer angeblich konservativen Partei verkörperte, versuchte er sich möglichst fernzuhalten. Bis ins hohe Alter, das ihm viele Ehrungen brachte, beschäftigte er sich intensiv mit der Geschichte der Musik bis zurück in die Renaissance und blieb gleichzeitig den musikalischen Entwicklungen seiner Gegenwart zutiefst verbunden. Brahms' Schaffen umfasst die große sinfonische Musik, Kammermusik in vielfältiger Variation der Formen und Instrumente sowie Vokalmusik für Chöre und Solostimme.
Johannes Brahms ließ einen Zeitraum von nahezu sechs Jahren verstreichen, bevor er nach der zweiten seine dritte Sinfonie komponierte. Gleich mehreren Personen hatte er die Erstaufführungsrechte der neuen Sinfonie versprochen, was ihn in eine schwierige Situation brachte, denn eigentlich taten ihm alle drei Versprechungen auch bereits wieder leid. Es ist recht amüsant in den erhaltenen Briefwechseln nachzulesen, mit welch geschickten Winkelzügen der Komponist sich aus den Verpflichtungen herauswand. Die Uraufführung des Werkes am 3. Dezember 1883 im Rahmen der Wiener Philharmonischen Konzerte wurde ein überwältigender Erfolg. Die 3. Sinfonie hebt sich von ihren Vorgängern merklich ab. Wenn man bedenkt, dass Brahms während der Arbeit an den ersten Sinfonien ständig bestrebt war, sich von dem "Riesen" (Beethoven), den er auf Schritt und Tritt hinter sich zu hören meinte, zu emanzipieren, dann offenbart sich, mit welch großen Schritten er in den dazwischen liegenden sechs Jahren seinen absolut unabhängigen, eigenen Stil entwickelt hat. Diese Sinfonie ist von der Spieldauer her Brahms kürzeste, und sie weist Eigentümlichkeiten auf, die seinen sinfonischen Stil hier in mancher Hinsicht abgerundeter und eigenwilliger erscheinen lassen.
Gleich zu Beginn des Werkes erklingt in den Bläsern ein melodischer Gedanke, der bereits die zentralen Töne des Hauptthemas sowie jene die ganze Sinfonie prägende Idee des ständigen harmonischen Wechsels zwischen Dur und Moll in sich birgt. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk und erscheint an allen Knotenpunkten des harmonischen Verlaufs. Dies führt zu einer formalen Exaktheit und Durchsichtigkeit des Satzganzen. Die Tatsache, dass die Mittelsätze der Sinfonie, das wie ein "frommes geistliches Lied" anmutende Andante und das melodisch expressive Poco Allegretto in ihrer Ausdehnung und ihrem serenadenhaften Charakter ein nur geringes Gegengewicht zu der sinfonischen Gewalt der Ecksätze bilden, wurde schon in der Rezension der Uraufführung erkannt. Doch in einem Maße wie in keiner anderen seiner Sinfonien hat Brahms in der "Dritten" kompositorisch die zyklische Ganzheit des Werkes abgesichert. So enthält der Schlusssatz in seinem Überleitungsthema, das dem Kontrastgedanken des zweiten Satzes entspricht, oder in seinem Seitenthema, das Ähnlichkeiten zum Hauptthema des dritten Satzes aufweist, deutliche Bezüge zu den Mittelsätzen. Indem das Ende der Sinfonie die Schlusstakte des ersten Satzes beinahe tongetreu zitiert, entsteht eine Brücke zum Werkbeginn, unter der sich alle Sätze zu einem zusammengehörenden Ganzen vereinen. Gerade mit diesem Zitat erreicht Brahms über das rein Zyklische hinaus einen großartig dramatischen Schlusseffekt, denn in einem kurzen Augenblick erklingt die ganze Sinfonie zusammengefasst, gleichsam als Ganzes noch einmal wiederholt. In dem ruhigen und sanften Ausklingen des ersten und letzten Satzes wie in der Verhaltenheit an manchen Stellen kommt eine eigene Verinnerlichung der sinfonischen Sprache Brahms zum Ausdruck. Das Werk spricht emotional stark an, was ein Briefzitat des Komponisten Antonin Dvorák belegt, dem Brahms die Sinfonie schon einige Wochen vor der Erstaufführung zugeschickt hatte und auf dessen Urteil er großen Wert legte. Dvorák schreibt: "Ich sage und übertreibe nicht, dass dieses Werk seine beiden ersten Sinfonien überragt; wenn auch vielleicht nicht an Größe und mächtiger Konzeption - so aber gewiss an - Schönheit! Es ist eine Stimmung drin, wie man sie bei Brahms nicht oft findet! Welch herrliche Melodien sind da zu finden! Es ist lauter Liebe und das Herz geht einem dabei auf. Denken Sie an meine Worte und wenn Sie die Sinfonie hören, werden Sie sagen, dass ich gut gehört habe".
Genre:
Konzert
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