Philharmonische Highlights
6 Konzerte
Inhalt: Luxembourg Philharmonic · Nationales Sinfonieorchester Litauen · Academy of St Martin in the Fields · Mahler Chamber Orchestra · +2
Bomsori, Violine
Joana Mallwitz Dirigentin
Emilie Mayer
Faust-Ouvertüre op. 46 (1880)
für Orchester
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64 (1838– 44)
Felix Mendelssohn Bartholdy hegte schon lange den Wunsch eines Violinkonzertes für den ihm eng befreundeten Geiger Ferdinand David. Den Plan, für den gleichaltrigen Konzertmeister des Leipziger Gewandhausorchesters Leipzig ein Violinkonzert zu schreiben, erwähnt Felix Mendelssohn-Bartholdy erstmals am 30. Juli 1838: "Ich möchte dir wohl auch ein Violin Conzert machen für den nächsten Winter; Eins in e-moll steckt mir im Kopfe, dessen Anfang mir keine Ruhe läßt." Es brauchte aber schließlich volle sechs Jahre, bis das Werk vollendet war. Zahlreiche Andeutungen im Briefwechsel der beiden Freunde lassen erkennen, dass es immer wieder Gesprächsgegenstand zwischen ihnen war, dass sie Vorstellungen über geigentechnische Besonderheiten austauschten, und dass Mendelssohn eine große Anzahl von Skizzen anfertigte, ehe er zur endgültigen Fassung des Konzertes fand. Bei der Uraufführung am 13. März 1845 übernahm natürlich Ferdinand David den Solopart, der dänische Komponist Niels Gade stand am Dirigentenpult. Einige Tage später leitete Mendelssohn selbst in Leipzig eine zweite Aufführung. Die Uraufführung wurde ein großer Erfolg.
Schon nach wenigen Takten wird erkennbar, in welchem Maße das Werk in formaler Hinsicht von der klassischen Tradition abweicht. Mendelssohn, dem man oft klassizistisches Formdenken zum Vorwurf gemacht hat, erweist sich im Violinkonzert als ein Komponist, der schöpferisch mit der Tradition umzugehen vermochte und gleichzeitig Neues und Überkommenes zu einer Einheit verschmelzen konnte. Die traditionelle Dreisätzigkeit des klassischen Solokonzertes ist zugleich beibehalten und aufgehoben. Aufgehoben zum einen dadurch, dass alle drei Sätze (I. Allegro molto appassionato; II. Andante; III. Allegretto non troppo) nahtlos ineinander übergehen; zum anderen dadurch, dass der langsame Mittelsatz - an Ausdehnung und Eigencharakter eher bescheiden - so fast zur ausgeführten Überleitung zum Finale wird, wobei ein knapper Einschub nochmals zugleich trennend und verbindend wirkt.
Revolutionär mochte damals einem formbewussten Publikum ein weiteres Novum vorkommen: die auskomponierte, brillante und bis in die höchsten Lagen des Instrumentes führende Solokadenz - der Tradition gemäß am Ende des Satzes zu finden - ist an den Punkt zwischen Durchführung und Reprise verlegt worden. Hier erscheint sie nicht erstrangig als Mittel der geigerischen Selbstdarstellung, sondern als der Mittelpunkt des Satzes. Ein einziger Ton des Fagotts leitet dann vom "Allegro molto appassionato", das mit einer glänzenden Stretta zu Ende gebracht wird, zum "Andante" über, einem "Lied ohne Worte". Den Tonfall des "Sommernachtstraums" aus der Feder des Siebzehnjährigen schlägt das wieder unmittelbar folgende Rondo-Finale an: eine anmutige, von Witz und Humor geprägte Musik, in der kleine Inseln des Lyrischen auftauchen, ehe sie effektvoll einem wirbelndem Schluss entgegeneilt.
Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert in e-moll op. 64 gehört heute zu den bekanntesten und beliebtesten Violinkonzerten in der Konzertliteratur und erfreut sich aus diesem Grund einer ungeheuren Popularität im Konzertsaal.
Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840 - 1893)
Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64 CS 26 (1888)
Im Jahre 1888 vollendete Tschaikowsky seine 5. Sinfonie in e-Moll. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits ein umjubelter Komponist. Doch seine Berühmtheit stellte den zurückhaltenden Künstler vor einige Probleme. Gerade die Aufführungen neuer Werke weckten in Tschaikowsky häufig Zweifel, ob er den hohen Ansprüchen gerecht werden könne. Dazu gesellte sich eine große Nervosität, wenn er selbst als dirigieren musste. So geriet die Uraufführung der 5. Sinfonie am 5. November 1888 in St. Petersburg unter seiner Leitung zu einem Misserfolg. Tschaikowsky spielte daraufhin mit dem Gedanken, sein Werk zu vernichten, bis sich der Dirigent Arthur Nikisch der Sinfonie annahm. Dessen Aufführungen fanden schließlich großen Zuspruch.
Einer inhaltlichen Ausdeutung seiner Musik hat Tschaikowsky selbst Vorschub geleistet, indem er in seinem Tagebuch notierte: "Programm des ersten Satzes der Symphonie, Introduction: Völlige Ergebung in das Schicksal, oder, was dasselbe ist, in den unergründlichen Ratschlag der Vorsehung. Allegro I: Murren, Zweifel, Klagen, Vorwürfe." Und zum zweiten Satz notierte er: "Soll ich mich dem Glauben in die Arme werfen?" Eine kompositionstechnische Betrachtung zeigt freilich, dass diese Sinfonie "eine völlig korrekt gearbeitete 'autonome' viersätzige Instrumentalsymphonie" darstellt, "eine der am stärksten durchgeformten Arbeiten Tschaikowskys überhaupt, der Kopfsatz das Muster eines nach allen klassischen Regeln ausgeführten Sonatensatzes" (Csampai).
Die vier Sätze der Sinfonie sind durch einen Grundgedanken miteinander verknüpft. Dieses Thema wird in einer langsamen Andante-Einleitung von den Klarinetten mit Streicherbegleitung vorgetragen. Es weckt durch seinen trauermarschartigen Charakter und die dunkle Klangfarbe die Assoziation mit einem "Schicksalsthema". Tschaikowsky bezeichnete es selbst in einer Randnotiz seines Entwurfes als solches. Welche konkrete Intention er tatsächlich verfolgte, ließ sich allerdings auch nach seinem Tode lange nicht nachvollziehen. Der Musikkritiker Eduard Hanslick bemerkte dazu 1896 in einer Rezension: "[...] hier lauert ein verschwiegenes Programm im Hintergrund; zu manchen befremdenden Kontrasten, geheimnisvollen Vor- und Rückblicken fehlt uns der poetische Schlüssel; der musikalische schließt da nicht auf." Doch der starke emotionale Ausdruck und der weitere Verlauf des Werkes machten eine Interpretation als schicksalhaftes Thema sinnfällig. Das leichtere aber dennoch verhaltene Hauptthema des schnellen Teils des ersten Satzes, "Allegro con anima", beginnt in Klarinette und Fagott, einer häufig auftretenden Instrumentation bei Tschaikowsky. Es wird vom Orchester aufgenommen und zu einem ersten Höhepunkt gesteigert. Nach einer Rückführung setzt das zweite Thema in den Violinen ein, das durch eine Verschiebung gegen die Taktschwerpunkte sehnliche Züge trägt. In der anschließenden Durchführung steht das Hauptthema mit seinem Rhythmus im Vordergrund. Die Reprise beider Themen geht nach einer großen Steigerung in eine Coda über, die das Hauptthema am Schluss des Satzes verklingen lässt.
Der 2. Satz ("Andante cantabile, con alcuna licenza") beginnt mit einer getragenen Melodie in den tiefen Streichern. Über dieser Klangfläche erklingt eine ausgedehnte besinnlich-melancholische Weise im Solohorn. Eine weitere Melodie, das zweite Thema des Satzes, wird danach von der Oboe intoniert. Dieses hellt die Stimmung des Satzes auf. Beide Themen werden nacheinander vom Orchester aufgenommen und umspielt. Der Mittelteil des Satzes wird durch eine unbeschwerte Episode in Klarinette und Fagott eingeleitet, die das Orchester wieder übernimmt. In diese beschauliche Stimmung bricht unvermittelt das Grundthema aus der langsamen Einleitung des ersten Satzes ein. Statt der Klarinetten schmettern es nun die Trompeten. Nach diesem Höhepunkt kehrt das melancholische Thema in den Streichern wieder und wird vom gesamten Orchester euphorisch gesteigert. Wiederum stört das "Schicksalsthema" diese Entwicklung. Mit der hellen Melodie des zweiten Themas in den Streichern lässt Tschaikowsky den zweiten Satz wie den vorangegangenen ausklingen.
Der 3. Satz ("Valse: Allegro moderato") ist ein Walzer, der bei Tschaikowsky gerne benutzt wird. Das tänzerische Thema der Violinen bildet den Rahmen des Satzes. Der Mittelteil ist von schnellen Läufen geprägt. Kurz vor Schluss ertönt in Klarinette und Fagotten das verbindende Grundthema der Sinfonie. Es bildet gleichzeitig den Übergang zum letzten Satz.
Das Finale des 4. Satzes ("Andante maestoso - Allegro vivace") beginnt wie der erste Satz mit dem 'Schicksalsthema' in einer langsamen Einleitung. Doch im Gegensatz zum düsteren Beginn der Sinfonie tritt es nun in Dur zum Positiven gewendet auf. Der folgende Teil, Allegro vivace, geizt nicht mit Virtuosität und drängt mit seinem schwungvollen Rhythmus vorwärts. In der triumphal-majestätischen Schlusscoda dominiert der Grundgedanke der Sinfonie. Dessen Wandlung zum Positiven wird dadurch noch einmal besonders hervorgehoben.
Heute gehört die fünfte Sinfonie, zusammen mit der vierten und sechsten Sinfonie Tschaikowskis, zu dessen beliebtesten sinfonischen Werken.
Genre:
Konzert
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