Imagine | Schauspiel Köln
Von Alexander Kerlin und Kay Voges
Es dauert, bis es einsickert: Dieses Stück kommt ohne Dialoge aus. Keine Verständigung auf verbaler Ebene findet statt. Trotzdem wartet man, dass jemand das Schweigen bricht. Das heißt aber nicht, dass es still ist. Das verhindert die musikalische Untermalung, die eine unheimliche, teils aggressive Atmosphäre schafft. Wenn nicht gesprochen wird, was passiert dann? Ganz viel und das alles auf einmal. Regisseur Kay Voges hat einen Weg gefunden, eine Vielzahl der neuen Ensemblemitglieder einzuführen und mit einer technisch aufwendigen Produktion die Grundlage für die neue Spielzeit geschaffen. Hier wird dem Zuschauer keine Sichtweise auferlegt. Er muss selber zu seinem Ergebnis kommen. Zu sehen ist ein kleiner Ort – auf den ersten Blick, ein Haus, eine Kirche, ein Büro, auf den zweiten Blick noch eine Wohnung und ein Gewächshaus. Der Tag bricht an und das Dorf erwacht zum Leben. Mithilfe zweier Kameras verfolgt das Publikum die Bewohner, kann sogar in die Gebäude schauen und die Geheimnisse in versteckten Ecken beobachten. Zwei Leinwände und das Geschehen auf der Bühne – die Augen schweifen immer irgendwo anders hin. Doch plötzlich ist der Tag vorbei und alles geht wieder auf Anfang. Sogar die Uhr wird zurückgedreht. Bis, ja bis...
Rebecca Jungbluth
Donnerstag, 02. Oktober 2025 | Kritiken