Der Name | Schauspiel Köln
Von Jon Fosse
„Wie soll das Kind denn heißen?“, fragt sich Beate. Sie hat sich bereits ein paar Namen ausgesucht. Den Vater des Kindes scheint dies wenig zu interessieren. Stumm sitzt er im Wohnzimmer und liest. Es wirkt so, als würde er gar nicht dazu gehören. Seine hochschwangere Freundin fragt ihn etwas, unterbricht ihn aber sofort, scheint die Antwort gar nicht hören zu wollen. Dieses Benehmen zieht sich durch das Stück. Alle sind sehr steif und unnahbar. Es ist stellenweise unangenehm, dieser Familie zuzuschauen. Warum reden sie nicht miteinander? Wobei: Sie reden schon, aber ihre Worte haben keine tiefgründige Bedeutung. Jegliche Art von Wärme fehlt. Um überhaupt etwas zu spüren, legt die Mutter in einem einsamen Moment ihre Hand auf die heiße Herdplatte. Draußen regnet es, irgendwann geht es in Schnee über. Das Wetter spiegelt das Geschehen im Haus. Die angespannte Stille schreit lauter als die Figuren.
„Der Name“ ist eine Produktion des Volkstheater Wien, in der Regisseur Kay Voges von Anfang an die richtige (Grusel-)Stimmung erzeugt, wenn alle elektrischen Geräte zum Leben erwachen. Das Stück schwankt zwischen Licht und Schatten, Schmerz und Freude. Die Stimmung erinnert an „Wuthering Heights“ von Emily Brontë und „Rebecca“ von Daphne du Maurier.
Rebecca Jungbluth
Donnerstag, 02. Oktober 2025 | Kritiken