Liebes Arschloch | Schauspiel Köln
Von Virginie Despentes
Eine Drehbühne, zwei Wohnung. Auf der einen Seite wohnt die Schauspielerin Rebecca, fünfzig Jahre alt, aber immer noch erfolgreich, wenn auch mit Abstrichen. Auf der anderen Seite lebt Oscar, ein Schriftsteller, 43 Jahre alt. Er muss gerade einen Shitstorm über sich ergehen lassen. Die Pressesprecherin Zoé beschuldigt ihn, seine Macht ihr gegenüber missbraucht zu haben, sexuelle Übergriffe inklusive. Oscar sieht Rebecca auf der Straße und macht sich postwendend in einem Instagram-Post über sie lustig. Rebecca schreibt zurück. „Liebes Arschloch, …!“ Das lässt Oscar nicht auf sich sitzen und antwortet seinerseits. So entsteht eine Spirale an Worten, Eingeständnissen und Zugeständnissen. Sie sehen sich nie, reden aber sehr schnell sehr intim miteinander. Das Publikum merkt, es ist nicht nur sehr einfach, eine Person im Netz zu beleidigen. Es scheint ebenfalls leichter zu sein, einem vermeintlich Fremden die eigenen Sorgen mitzuteilen, obwohl in der Buchadaption von Virginie Despentes keine der Charaktere so richtig sympathisch erscheint. Die Inszenierung von Stephan Kimmig hat seine Längen. Aber das Geschriebene enthält unheimlich viel Kraft und Wahrheit. Es erzählt über Dinge, die wir alle spüren, aber uns oft nicht trauen anzusprechen.
Rebecca Jungbluth
Mittwoch, 17. Dezember 2025 | Kritiken
Januar 2026
Liebes Arschloch
Schauspiel | Virginie Despentes
Februar 2026
Liebes Arschloch
Schauspiel | Virginie Despentes