25 Jahre Klüngelpütz
Eine Institution wird 25 Jahre alt | Festwoche vom 20. bis 26. April
Das kleine Theater in der Kölner Innenstadt ist jedem ein Begriff, der Kabarett und politisches Theater liebt. Nun feiert das „Klüngelpütz“ im April eine Woche lang seinen 25. Geburtstag. Der Auftakt ist am Montag, den 20.4., mit einer Party nur für geladene Gäste. Madame Bijou führt durch einen Abend voller Gesang, Filmen und Grußworten. Gezeigt wird unter anderem der Film „Ein Haus erzählt Geschichte“, eine Dokumentation über das denkmalgeschützte Gebäude, in dem das Theater zu Hause ist. Denn das „Klüngelpütz“ wird 25 Jahre alt, aber politisches Theater gibt es im Keller der Gertrudenstraße 24 bereits seit 60 Jahren.
Damals, im April 2001 hat Marina Barth, Leiterin des „Klüngelpütz“, mit Martin Schenkel, bis heute der Pianist im Haus, Radek Stawarz, Mamma Grappa und noch weiteren Kollegen das Theater übernommen. Durch Zufall hat sie eine Anzeige in der Zeitung entdeckt, in der es hieß, dass die Räumlichkeiten zu verkaufen seien. Nach Rücksprache mit den Vorbesitzern war klar: „Das wird ihr Theater.“ Sie nahmen einen Kredit auf und sanierten die Elektrik von Grund auf. Aus den „Machtwächtern“ wurde das „Klüngelpütz“. Mit vollem Eifer stürzten sie sich in Programmplanung und Proben, nur um den ersten heftigen Rückschlag zu erleben. Denn nach den Anschlägen am 11. September blieben die Reihen leer. „Es war ein riesiger Schock“, erinnert sich Barth. „Es kam niemand mehr ins Theater. Auch die verkauften Karten: Die Leute kamen einfach nicht.“ Die Lage normalisierte sich nur langsam. Erst mit der Theaternacht im nächsten Jahr kam das Publikum allmählich wieder. So hat Barth schnell gelernt, mit Notlagen umzugehen.
Es ist ihr anzumerken, dass sie viel Arbeit und noch mehr Herzblut in das Theater steckt. Barth strahlt eine unheimliche Kraft und viel Ruhe aus. Wichtig ist ihr, dass es in ihrem Theater politisch zugeht und bitte nicht zu ernst. „Es ist ja nicht so, dass die Leute immer unserer Meinung sein müssen. Das ist gar nicht erforderlich. Aber Gespräche loszutreten, damit sich die Gesellschaft ihren Weg suchen kann, ohne einander an die Gurgel zu gehen... Deswegen wird bei uns der Humor fast immer eingeflochten.“
Aber nicht nur Humor und Politik sind ihr wichtig. Auch, dass es im „Klüngelpütz“ frauenlastig zugeht, daraus macht sie keinen Hehl. „Frauen werden hier ein bisschen bevorzugt. Niemand hat die Absicht ein Matriarchat zu eröffnen, aber wir sind nicht bevorteilt in diesem Beruf. Deswegen gucken wir uns lieber Frauen aus.“ Auch das Casting für die WDR Ladies Night ist im Theater zu Hause. So entdeckt Barth immer wieder neue Talente, als letztes Fee Brembeck. „Die habe ich gesehen und habe gesagt: Die brauche ich. Die müssen wir haben.“ Bewerben können sich Künstler:innen beim Theater nicht. Auf die Bühne kommt man nur auf Einladung.
Derart konsequent wird auch die „Klüngelpütz“-Jubiläumswoche, auch wenn das Konzept eher ungewöhnlich ist. „Was machen wir? Und ich dachte, ich möchte alles machen und zwar auf einmal.“ Gesagt, getan. Nach dem Festakt am Montag gibt es fast jeden Tag zwei Aufführungen von Stücken aus dem Repertoire. So trifft politisches Theater auf Dragshow oder Kabarett auf Jazz. Für jede Person ist etwas dabei und entdeckt hoffentlich noch etwas Neues.
Die Woche ist gespickt mit Highlights. Neben dem bereits fertigen Film über das Gebäude, werden die Tage von einem Filmteam begleitet, die eine Erinnerung an den Geburtstag zusammenschneiden werden. Eine Erinnerung, die für Barth wichtig ist. Von Angelika Express bis hin zu Rock 'n Read ist alles dabei. „Das Filmteam kommt und filmt die Woche. Die machen daraus einen richtigen 45 Minuten Film. Da freue ich mich sehr drüber.“ Und wäre das nicht genug, hat sie auch noch ein Buch geschrieben. „Abenteuer in Lummerland“ steckt voller satirischer Kurzgeschichten aus den letzten 25 Jahren.
Auf die letzten 25 Jahre schaut Marina Barth mit Wohlwollen zurück. Der Kredit ist längst abbezahlt und sogar eine Erweiterung der Räume zur Straße hin ist geplant. Auf die Frage, wie die nächsten 25 Jahre aussehen, meint sie: „Es wird sehr schwierig. Wir werden nicht konzeptionell gefördert, weil bei uns gelacht werden darf und das ist nicht im Sinne des Förderprogramms.“ Seit dem letzten Jahr ist sie in der Kulturpolitik unterwegs und setzt sich für ein nachhaltiges Förderkonzept ein. Doch blickt sie zurück, sagt sie mit Überzeugung: „Ich würde nichts anders machen. Ich habe auch gesagt, wenn ich das alles gewusst hätte, dann hätte ich mich am Ende nur gefürchtet. Mehr wäre nicht damit gewonnen.“ und lacht ihr herzliches Lachen.
Rebecca Jungbluth
Mittwoch, 21. Januar 2026 | Kritiken
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