Neugier auf.... Klangfarben
Die Konzert-Kolumne mit Sebastian Jacobs
Klangfarbe ist mehr als bloße Instrumentation: Sie entsteht aus kulturellem Hintergrund, kompositorischer Handschrift, interpretatorischer Haltung und nicht zuletzt aus dem Mut, leise Töne ebenso ernst zu nehmen wie große orchestrale Gesten. Die Konzerte im März und April zeigen diese Vielfalt in eindrucksvoller Weise.
Den Auftakt macht am 14. März der senegalesische Musiker, Komponist und Sänger Momi Maiga, der einen sehr persönlichen Zugang zu Klangfarben pflegt. Seine Musik lebt von Zurückhaltung, von feinen Nuancen und einem beinahe zärtlichen Ton. Begleitet von Violine, Cello und dezent eingesetzten Drums entsteht ein Klangraum, der Tradition und Gegenwart miteinander verbindet, ohne sich aufzudrängen.
Am 22. März widmet sich die Junge Deutsche Philharmonie der orchestralen Klangvielfalt in ihrer ganzen Breite. Richard Strauss’ Tondichtung „Tod und Verklärung“ entfaltet einen spätromantisch schillernden Orchesterklang, der existenzielle Fragen in Musik übersetzt. Mit dem „Concerto for Orchestra“ von Sir George Benjamin tritt ein zeitgenössisches Werk hinzu, das das Orchester selbst zum Protagonisten macht und seine klanglichen Möglichkeiten virtuos auslotet. Nach der Pause eröffnen Karol Szymanowskis erstes Violinkonzert und Claude Debussys „La Mer“ weitere Farbräume: hier sinnlich fließende Linien, dort impressionistische Klangflächen, die das Meer in immer neuen Schattierungen hörbar machen.
Am 19. April gastiert das Orchestre Philharmonique Royal de Liège mit einem Programm, das Klangfarben als Ausdruck innerer Zustände begreift. Guillaume Lekeus Ophélie zeichnet fragile, poetische Stimmungen, während Manfred Trojahns Szene „Je suis l’idée maîtresse“ für Mezzosopran und Orchester – eine deutsche Erstaufführung – Sprache und Klang in ein spannungsvolles Verhältnis setzt. Den Abschluss bildet Tschaikowskys sechste Sinfonie, die „Pathétique“, deren emotionale Intensität und dunkle Farbigkeit bis heute unmittelbar berührt.
Ein besonderer Solitär folgt am 23. April mit Sir András Schiff, einem Pianisten, der wie kaum ein anderer für die Kunst der Klanggestaltung steht. Als Meister der Zwischentöne und des gesanglichen Spiels nähert er sich seinem Repertoire aus dem Moment heraus. Sicher ist nur eines: Die Musik von Bach, Mozart, Beethoven oder Schubert wird bei ihm zu einer Entdeckungsreise durch feinste klangliche Abstufungen.
Wer es ein wenig klassischer mag, der darf sich am 26. April auf das Brandenburgische Staatsorchesterfreuen. Mit Mendelssohns Ouvertüre zum Sommernachtstraum, seinem ersten Klavierkonzert und Schumanns „Rheinischer“ Sinfonie steht ein Programm auf dem Plan, das romantische Klangfarben in leuchtender Frische präsentiert.
Diese Konzerte machen neugierig auf Musik in all ihren Facetten – und zeigen, wie unterschiedlich Klangfarben leuchten können.
Mittwoch, 28. Januar 2026 | Kritiken
März 2026
Junge Deutsche Philharmonie
Konzert | Strauss, Benjamin, Szymanowski & Debussy
April 2026
Orchestre Philharmonique Royal de Liège
Konzert | Tschaikowsky, Lekeu & Trojahn
Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt
Konzert | Mendelssohn Bartholdy & Schumann