Hanka Meves: "Die Komponistin von Köln"
Ein Stück Kölner (Musik-)Geschichte
Es ist immer eine große Freude, auf die Geschichte von Personen zu stoßen, die einem bis dato unbekannt waren. Auch Kennern klassischer Musik dürfte der Name Maria Herz nicht unbedingt bekannt sein. War sie doch "nur" eine Frau, die in der Zeit um 1900 noch keine Möglichkeit hatte, mit ihrem Talent und ihren Kompositionen Geld zu verdienen. Seit einigen Jahren werden Herz`Kompositionen wieder entdeckt. Grund genug für die Kölner Journalistin und Autorin Hanka Meves, ihr auch literarisch ein Denkmal zu setzen.
Das Leben von Maria Herz wird aus Sicht ihrer (fiktiven) Freundin Franzi erzählt. Beide Mädchen sind von dem Wunsch beseelt, ihr Leben mit mehr zu füllen als Ehe und Kindern. Schwierig im Köln um die Jahrhundertwende. Eine der wenigen Möglichkeiten für Mädchen, sich fortzubilden, ist den Beruf der Lehrerin zu ergreifen. Für diesen Weg entscheidet sich Franzi, wird jedoch lange nicht als Lehrerin arbeiten können, da sie sich nach dem Studium doch für die Ehe entscheidet - beides war zu dieser Zeit noch nicht möglich.
Marie hingegen wird bereits früh von ihren Eltern gefördert und hat die Möglichkeit, bei renommierten Musiklehrern zu lernen. Nach ihrer Heirat emigriert sie nach England, studiert dort Komposition und hat erste Auftritte und Vorträge. Der Kontakt der beiden Freundinnen reißt nie ab. Doch die Zeiten werden bedrohlicher, und schon bald wird es für die beiden Frauen um alles gehen.
Der Roman bietet einen spannenden Einblick in den Alltag bürgerlicher Frauen um die Jahrhundertwende. Wir begleiten die Protagonistinnen bis in die 1930er Jahre und erleben, wie die Zeiten sich vor allem für (jüdische) Frauen ändern. Erfolge feierte Maria Herz mit ihren Kompositionen erst in den späten 1920er Jahren. Wer dazu und über ihr späteres Leben mehr erfahren möchte, empfehle ich den Podcast "Im Exil des Vergessens - Die Komponistin und Pianistin Maria Herz" von Deutschlandfunk Kultur.
"Die Komponistin von Köln" ist ein angenehm zu lesendes Werk. Die Figuren sind lebensnah, man fühlt sich an echte Bekannte erinnert. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht, beispielsweise im Verhältnis der beide Protagonistinnen zu ihren Ehemännern, die eher Randfiguren bleiben. Doch ist es insgesamt eine Empfehlung für alle, die sich für Geschichte, Musik und den historischen Alltag von Frauen interessieren.
VERLOSUNG
Wir verlosen mit freundlicher Unterstützung des emons Verlags drei Exemplare von "Die Komponistin von Köln"!
Um teilzunehmen, schreiben Sie uns bis zum 20. Februar eine Mal mit dem Betreff "Die Komponistin von Köln" sowie Ihrem Namen. Die Gewinner:innen werden persönlich benachrichtigt, die Bücher können dann in unserem Service-Center abgeholt werden.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Hanka Meves | Die Komponistin von Köln | emons Verlag | 288 Seiten | ISBN 978-3-7408-2067-1 | Erscheinungsdatum: 23. Mai 2024
Mittwoch, 28. Januar 2026 | Kritiken