Gürzenich-Orchester am Montag
8 ausgewählte Konzerte des Gürzenich-Orchesters, immer montags um 20:00 Uhr in der Philharmonie
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Anastasia Kobekina, Violoncello
Riccardo Minasi, Dirigent
Robert Schumann (1810-1856)
Der in Zwickau geborene Sohn eines Buchhändlers und Verlegers trat als Zehnjähriger zum ersten Mal öffentlich als Pianist auf. Neben seinem Jurastudium wurde Schumann Klavier und Kompositionsschüler bei Friedrich Wieck, dessen künstlerisch hochbegabte Tochter Clara Wieck später gegen den Willen des Vaters seine Frau wurde. Reisen in die Schweiz und nach Italien führten Schumann mit berühmten Virtuosen seiner Zeit zusammen und festigten seinen Entschluss, nun doch die musikalische Laufbahn einzuschlagen. Die angestrebte Karriere als Pianist musste er allerdings aufgeben, da er sich durch verkehrtes Training eine Versteifung der rechten Hand zugezogen hatte. Stattdessen widmete er sich ganz der Komposition und der Musikkritik, etwa im Rahmen der 1834 von ihm mitbegründeten "Neuen Zeitschrift für Musik". 1850 wurde Schumann als städtischer Musikdirektor nach Düsseldorf berufen. Doch schon 1854 musste er dieses Amt wieder niederlegen, weil sich ein bereits früher aufgetretenes Nervenleiden immer stärker bemerkbar machte. Seine beiden letzten Lebensjahre verbrachte er nach einem missglückten Versuch der Selbsttötung in geistiger Umnachtung in der Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn.
Ouvertüre zu Manfred op. 115
Schon während seiner Leipziger Studentenzeit hatte Schumann das 1817 entstandene Drama "Manfred" des berühmten englischen Autors Lord Byron gelesen. Erneut beschäftigte er sich im Sommer 1848 mit dem Stoff, der oft als ein englisches Gegenstück zum deutschen "Faust" angesehen wurde, und begann eine Vertonung der dramatischen Vorlage zu skizzieren. Bis Ende desselben Jahres wurden die Ouvertüre und die aus fünfzehn Nummern bestehende szenische Musik vollendet. Im Frühjahr 1852, während seiner letzten Reise nach Leipzig, dirigierte der Komponist im Saal des Gewandhauses selbst die Uraufführung der Ouvertüre, die tiefen Eindruck beim Publikum hinterließ. Einige Wochen später, am 13. Juni 1852, fand im Weimarer Hoftheater unter der Leitung von Franz Liszt die Uraufführung des gesamten "Dramatischen Gedichts in drei Abteilungen" statt. Das Gedicht Lord Byrons erzählt die Geschichte eines Edelmannes, der ähnlich Goethes "Faust" einsamen wissenschaftlichen Studien nachgeht, in denen er Befreiung sucht. Manfred wird vom Schuldgefühl gequält, den Tod der Geliebten, Astarte, verursacht zu haben. Um zu erfahren, was der Tod sei und herauszubekommen, ob Astarte nun ein außerirdisches Dasein führt, wendet sich Manfred an die Geister. Nach langem Schweigen antwortet Astarte und sagt Manfred seinen bevorstehenden Tod voraus. Manfred ist dadurch überzeugt, dass sein Dasein nicht mit dem Tod aufhören wird und nimmt mit Stolz sein Schicksal ewigen Leidens und unablässiger Einsamkeit an. Schumann vertonte den Manfred "eifrig und schwärmerisch mit einer Leidenschaft", wie sie ihm sonst noch nie widerfahren war. Drei mächtige synkopierte Akkorde stehen am Beginn. Nach einer Generalpause folgt eine langsame Einleitung in der für die musikalische Atmosphäre des Titelhelden charakteristischen und das gesamte Stück bestimmenden Tonart es-Moll. Doch schon bald leitet ein durch Synkopierungen rhythmisch prägnant gegliedertes und von chromatischen Figuren begleitetes Motiv, das vielfältig moduliert und dynamisch variiert wird, zum eigentlichen Hauptteil des Stückes über. In diesem Abschnitt, für den Schumann die Charakterbezeichnung "In leidenschaftlichem Tempo" vorschreibt, wandelt sich das synkopierte Motiv zum energischen Hauptthema. Eine Durchführung im klassischen Sinne fehlt der Ouvertüre zwar, doch hebt sich ein Mittelteil in vergleichbarer Funktion durch drei gehaltene Akkorde der Trompeten deutlich vom Vorangehenden ab. In einer Art Reprise erscheint das Hauptthema erneut in seiner unveränderten Gestalt. Zum allmählich ausklingenden, wie ein Erlöschen wirkenden Ende der Ouvertüre kehren sowohl das Tempo der langsamen Einleitung wie auch die dort vorgestellten Motive noch einmal wieder.
Text: Heidi Rogge
Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129
Schumanns einziges Cellokonzert entstand in einer glücklichen Phase seines Lebens. 1850 war er einem Ruf nach Düsseldorf gefolgt, wo er als Nachfolger Ferdinand Hillers für drei Jahre als städtischer Musikdirektor die Sinfoniekonzerte leitete. Voller Optimismus trat er dieses Amt an und komponierte im Oktober 1850 dieses Konzert, das er am 24. Oktober, dem Tag seines ersten Sinfoniekonzertes in Düsseldorf, abschloss, später allerdings noch einmal umarbeitete. Im Tagebuch seiner Frau Clara findet sich die Notiz, dieses Werk sei "besonders so recht im Cellocharakter geschrieben". Und unter dem Datum des 11.10.1851 notiert Clara Schumann: "Ich spielte Roberts Violoncellkonzert einmal wieder und schaffte mir dadurch eine recht musikalisch glückliche Stunde. die Romantik, der Schwung, die Frische und der Humor, dabei die höchst interessante Verwebung zwischen Cello und Orchester ist wirklich ganz hinreißend, und dann, von welchem Wohlklang und tiefer Empfindung sind alle die Gesangsstellen darin!" Ob das Werk zu Lebzeiten des Komponisten jemals aufgeführt wurde, ist nicht bekannt. Die erste nachgewiesene Aufführung mit Klavierbegleitung fand am 9.6.1860 im Leipziger Konservatorium statt, und erst für den 10.12.1867 - also fast zehn Jahre nach Schumanns Tod - ist eine Aufführung mit Orchester in Breslau nachgewiesen. Das Werk trug ursprünglich den Titel "Concertstück für Violoncell mit Begleitung des Orchesters". Der Titel gibt einen Hinweis auf eine formale Besonderheit des Werkes: Die drei Sätze folgen einander nämlich ohne Pause. Im ersten Satz (Nicht zu schnell), der nach wenigen Einleitungstakten des Orchesters mit dem weit ausschwingenden Hauptthema des Soloinstruments einsetzt, kommen die gesanglichen Möglichkeiten des Violoncellos in allen Lagen wirkungsvoll zur Geltung. In vielen Passagen wird der Solist nur von den Streichern begleitet. Die Holzbläser, gelegentlich auch Hörner und Trompeten, fügen markante Akzente hinzu. Überhaupt drängt sich das Orchester niemals auf, der Orchesterpart lässt in seiner durchsichtigen Anlage immer und wie selbstverständlich dem Cello und damit dem Solisten den Vorrang. Allerdings verzichtet Schumann im ersten Satz auf die übliche Kadenz des Soloinstruments. Der zweite Satz (Langsam) entwickelt sich aus einem Orchestertutti, das von einem ganz dem Orchester vorbehaltenen Thema beherrscht wird. Immer wieder sind die lyrischen Qualitäten dieses Satzes hervorgehoben worden. Im Mittelteil des Satzes tritt dem Solisten ein zweites Solocello zur Seite. Dadurch entsteht die Illusion eines mehrstimmigen Akkordspiels. Im Orchester taucht eine Erinnerung an das Hauptthema des ersten Satzes auf. Sie wird vom Soloinstrument aufgegriffen, aber wieder verdrängt. Dann mündet das Ganze ein in eine dramatisch erregte Passage. Eine kurze Kadenz des Soloinstruments leitet zum Finalsatz (Sehr lebhaft) über. In diesem technisch überaus anspruchsvollen Satz entwickelt sich nun erstmals ein konzertierendes Wechselspiel von Soloinstrument und Orchester. Solist und Orchester spielen sich die verschiedenen Themen in ständigem Wechsel zu. Noch einmal erhält das Cello Gelegenheit, seine virtuosen Möglichkeiten in einer Kadenz vorzuführen, die mit einigen markanten Akkorden vom Orchester begleitet wird. Das Werk endet mit einer knappen, aber furiosen Stretta.
Text: Christoph Prasser
Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61
Robert Schumann komponierte seine zweite Symphonie in den Jahren 1845/46 während einer Phase erheblicher persönlicher und gesundheitlicher Herausforderungen. In dieser Zeit litt er unter depressiven Verstimmungen und signifikanter nervlicher Belastung, wie auch aus seinen Briefen hervorgeht, in denen er von „düsteren Tagen“ berichtete, die das Komponieren erschwerten. Trotz dieser Umstände begann Schumann ein systematisches Studium des Kontrapunkts und widmete sich einer strengeren kompositorischen Arbeitsweise. Das Resultat ist eine Symphonie, die auf diese Erfahrungen Bezug nimmt und trotz ihres ernsten Ursprungs einen optimistischen Abschluss findet. Der erste Satz beginnt ungewöhnlich: eine ruhig dahinfließende Introduktion wird von einer feierlich aufsteigenden Fanfare flankiert, die den gesamten Verlauf der Symphonie prägt. Aus dieser Keimzelle entwickelt Schumann einen weiträumigen Satz, in dem
kontrapunktische Verdichtungen, leidenschaftliche Steigerungen und lyrische Episoden nebeneinanderstehen. Schon hier zeigt sich ein Grundzug der ganzen Symphonie: die Durchdringung von intellektueller Strenge und subjektivem Ausdruck. Es folgt ein Scherzo von außergewöhnlicher Vitalität. Die sprudelnde Motivik der Streicher wird durch gleich zwei Trios unterbrochen – eine Erweiterung der Form, die Schumanns Neigung zur Vielfalt und inneren Differenzierung verdeutlicht. Der dritte Satz, Adagio espressivo, ist das poetische Zentrum des Werkes. Mit seiner teils düstern und dann doch wieder hoffenden Harmonik, gehört er zu den vielleicht schönsten langsamen Sätzen der Romantik und zeugt von großer persönlicher Emotionalität des Komponisten. In diesem Satz klingt die persönliche Empfindung unmittelbar auf – nicht umsonst empfanden viele Hörer hier eine Art klingendes Tagebuch des Komponisten. Das Finale schließlich führt den zyklischen Gedanken des Werkes zur Vollendung. Die Fanfarenfigur des Anfangs kehrt wieder, nun in gesteigerter und triumphaler Form. Der Satz bündelt motivische Fäden, steigert sich zu orchestraler Brillanz und endet in einer Apotheose von strahlender C-Dur-Helligkeit. Schumanns zweite Symphonie ist daher kein Werk der bloßen Heiterkeit, sondern ein Drama der Überwindung. Aus innerem Ringen, Krankheit und Melancholie wächst eine Musik, die von Zuversicht und schöpferischer Kraft kündet.
Text: Sebastian Jacobs
Genre:
Konzert
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Dieses Werk ist in 4 Abos enthalten — übersichtlich nach Spielzeit.
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