WDR Sinfonieorchester und mehr... I
3 ausgewählte Konzerte des WDR Sinfonieorchesters, kombiniert mit 1 Spitzen-Ochester
Inhalt: WDR Sinfonieorchester · Freiburger Barockorchester · WDR Sinfonieorchester · WDR Sinfonieorchester
Gautier Capuçon, Violoncello
Marie Jacquot, Leitung
Edward Elgar (1857-1934)
Cellokonzert e-Moll op. 85
Sir Edward Elgar wurde 1857 als Sohn eines Musikalienhändlers in der Nähe des britischen Worcester geboren. Er war weitgehend Autodidakt. Die musikalischen Grundlagen schuf er sich, indem er neben dem Klavier auch die wesentlichsten Streichinstrumente und das Fagott spielen lernte. Bereits mit zwölf Jahren komponierte er. Als Dirigent einiger Amateurorchester und Chöre erwarb er früh praktische Kenntnisse. Obwohl er seine Neigung zur Komposition immer mehr vertiefte, konnte er im Alter von 30 Jahren lediglich einige kleine Erfolge verbuchen. Durch seine Eheschließung mit der künstlerisch begabten und hochintelligenten Alice Roberts erhielt Elgar die für ihn notwendigen Anregungen und Motivation. Seine Werke erlangten immer höheren Bekanntheitsgrad. Doch erst mit der Uraufführung seiner „Enigma-Variationen“ im Jahre 1899 gelang ihm der Durchbruch als anerkannter Komponist – nicht nur in Großbritannien, sondern in ganz Europa. In den letzten vierzehn Jahren seines Lebens komponierte er nicht mehr. Einem durch den Ersten Weltkrieg gezeichneten England hatte er nichts mehr zu sagen. Dafür erhielt er aber zahlreiche Ehrungen, die in der Verleihung des Titels als Hofkomponist des englischen Königshauses gipfelten.
Elgars Musik verkörperte endlich wieder jenen Typus arteigener englischer Musik, die lange Zeit hatte auf sich warten lassen. Zum ersten Mal seit Purcell und Händel schaffte es wieder ein Komponist, sich mit seinen Werken zum Sprecher des Volkes zu machen. Als repräsentativer Komponist der Epoche König Edwards erzielte Elgar noch zu Lebzeiten die nationale Anerkennung seines Eigenstils. Trotz der sehr persönlichen Prägung des Tonfalls seiner Musiksprache bleibt diese doch dem Vorbild der Hochromantiker verpflichtet. Sein Konzert für Cello und Orchester schrieb Elgar im Jahre 1919. Er war damals 62 Jahre alt. Das Konzert ist ein „herbstliches Werk“ Elgars, vergleichbar der späten Kammermusik seines Vorbildes Johannes Brahms. Zusammen mit anderen Stücken Elgars aus dieser Zeit (dem Streichquartett, der Violinsonate und dem Klavierquintett) spiegelt das Cellokonzert den deutlichen Umbruch wider, der sich im Stil des Komponisten gegen Ende des Ersten Weltkrieges vollzog. Aus den forschen Exerzierklängen der beiden Sinfonien und der „Pomp and Circumstance“-Märsche war ein merklich verhaltenerer, nach innen gekehrter Ausdruck geworden. Der Biograf Michael Hurd sagt, diese Musik sei „voll Traurigkeit und Bedauern“, die heroische Seite Elgars werde zum Verstummen gebracht, sie sei nur noch ein geisterhaftes Echo, von Melancholie durchzogen. Nach den Worten eines anderen Elgar-Kenners ist das Cellokonzert „ein höchst sensibel aufgezeichnetes Dokument der Geisteshaltung des alternden Komponisten“. Auf die Frage nach der „Bedeutung“ des Werkes antwortete Elgar schlicht: „Die Einstellung eines Menschen zum Leben.“
Das Konzert erklang zum ersten Mal am 27. Oktober 1919 in der Londoner Queen´s Hall. Felix Salmond war der Solist, das London Symphony Orchestra spielte unter der Leitung des Komponisten. Der erste Satz hat ansatzweise Sonatenform. Er beginnt mit einem ernsten Rezitativ („Adagio“), das schon bald zum Hauptteil („Moderato“) überleitet. Das Hauptthema dieses Teils ist beschwingt; ein zweites Thema im 12/8-Takt führt zu einem Mittelteil, in dem eine Durchführung lediglich angedeutet ist. Es folgt ein kurzes, fast düster klingendes Scherzo („Lento – Allegro molto“). Dieser Teil hat etwas von einer improvisatorischen Fantasie. „Einen schnellen komischen kleinen Satz“ nannte ihn Sir Donald Francis Tovey. Der langsame Satz („Adagio“) umfasst nur 60 Takte, enthält jedoch die wesentlichen Stilmerkmale Elgars: Ruhe, Poesie und eine leidenschaftliche Aufgipfelung. Das Finale („Allegro – Moderato – Allegro, ma non troppo – Poco più lento – Allegro molto) ist ein einfallreiches Rondo, in dem bereits gehörtes Material wieder auftaucht. Es wird aber auch neues Material präsentiert, u.a. ein verschmitztes Nebenthema mit vielen die Tonleiter abwärts führenden Fanfaren. Das Konzert schließt markant mit vier emphatischen Akkorden.
Text: Heidi Rogge
Anton Bruckner (1824-1896)
Sinfonie Nr. 6 A-Dur
Der im oberösterreichischen Dörfchen Ansfelden als Sohn eines Schulmeisters geborene, als Sängerknabe am Augustiner-Chorherrenstift St. Florian ausgebildete, dort sowie in Linz als Organist tätige und seit 1868 als Professor am Wiener Konservatorium wirkende Anton Bruckner widmete sich in besonderem Maße der Kirchen- und der sinfonischen Musik. Wenn Bruckner auch in späteren Jahren manche öffentliche Ehrung erfuhr, konnte sich sein sinfonisches Werk in Wien doch nur mühsam durchsetzen. Das Wiener Publikum der Zeit liebte die Musik des Norddeutschen Johannes Brahms, widersetzte sich jedoch vehement dem Werk seines Landsmannes Anton Bruckner. Ein besonderes editorisches und aufführungstechnisches Problem bedeuten bis heute die zahlreichen Um- und Überarbeitungen, die Bruckner an seinen Werken, vor allem seinen Sinfonien, aus eigenem Antrieb oder auf Rat wohlmeinender Freunde vornahm. In der durchaus honorigen Absicht, die angeblich unspielbaren Werke „spielbar“ zu machen, haben diese Freunde unter Bruckners Schülern und Dirigenten gelegentlich sogar eigenmächtig Änderungen vorgenommen, und es ist keineswegs in allen diesen Fällen gesichert, dass diese „Verbesserungen“ auch den Intentionen des Komponisten entsprachen. Eine gewisse Ausnahme bildet die sechste Sinfonie, weil sie das erste Werk ist, das der Komponist nach der Fertigstellung 1881 keiner Umarbeitung mehr unterzog. Dennoch wies die 1899 erfolgte Druckausgabe auch dieses Werkes zahlreiche Verfälschungen auf, die erst 1935 durch die Edition der „Originalfassung“ rückgängig gemacht wurden. Zu Lebzeiten des Komponisten wurden nur die beiden Mittelsätze des viersätzigen Werkes 1883 in Wien öffentlich aufgeführt, die beiden Ecksätze hatte Bruckner nur in einer Durchspielprobe der Wiener Philharmoniker gehört. Gelegentlich hat man das Werk einen „Lobgesang auf die Schönheit der Erde“ genannt und in Anlehnung an Beethovens sechste Sinfonie als „Bruckners Pastorale“ bezeichnet. Vom dritten Takt des Kopfsatzes (Maestoso) an intonieren Celli und Kontrabässe das Hauptthema, das sich als ein markantes Gebilde in der für Bruckner charakteristischen Kombination von rhythmischen Zweier- und Dreierwerten darstellt. Dieselbe rhythmische Kombination prägt auch das allerdings bedeutend langsamere Seitenthema. Aus einem energisch rhythmisierten, kaskadenartig niederstürzenden Unisono-Motiv entwickeln sich neue Steigerungen, bevor die Exposition gemessen ausklingt. Die Durchführung wird wesentlich bestimmt von der Umkehrung des Hauptthemas, während die anschließende Reprise sich regelhaft entwickelt. In der abschließenden Coda fallen „romantisch“ klingende Hornabdunkelungen auf. Sie zögern das in eine strahlende Trompeten-Apotheose mündende Finale hinaus. „Der Satz muss als einer der übersichtlichsten, organischsten Kopfsätze Bruckners gewertet werden.“ (Beaujean) Der zweite Satz (Adagio. Sehr feierlich) wird von drei Themenkomplexen getragen: einer ruhigen und ausdrucksvollen Violinkantilene auf der G-Saite, einer von den Celli intonierten und von den Violinen fortgeführten ausschwingenden und empfindungsvollen Melodie und - im Kontrast hierzu - einem trauermarschähnlichen Gedanken in c-Moll. Ein Durchführungsteil fehlt, stattdessen wird die Entwicklung der drei Themenkomplexe wiederholt und variiert. Eine stimmungsvolle Coda beschließt den Satz, der sich wiederum klar gegliedert und formal konzentriert präsentiert. Das Scherzo der 6. Sinfonie (Nicht schnell - Trio. Langsam) unterscheidet sich markant von den Scherzi anderer Bruckner-Sinfonien. Trumpfen diese im rustikalen Stil des Ländlers auf, so herrscht hier die Schwerelosigkeit zarter und schwebender Motivlinien vor. Im Trio folgt (auf ein dem Wechsel von Violinpizzicato und Hörnern zu verdankendem Motiv) überraschenderweise das Hauptthema des Kopfsatzes aus der fünften Sinfonie. Das thematische Material des Finalsatzes (Bewegt, doch nicht zu schnell) greift auf die Themen des Kopfsatzes zurück und ist von diesen abgeleitet. Der damit erreichte Vorteil größerer Geschlossenheit des gesamten Werkes ist erkauft um den Preis einer geringeren Individualität der Themen dieses Finales. Den markanten Schlusspunkt des Werkes setzt auf dem Höhepunkt der abschließenden Coda noch einmal das Hauptthema des ersten Satzes. Die Sinfonie Nr. 6 von Bruckner wird von der Kritik oft als eines seiner besten Werke angesehen, das eine beeindruckende Kombination aus lyrischer Schönheit und dramatischem Ausdruck bietet.
Spieldauer: ca. 60 Min
Text: Christoph Prasser
Genre:
Konzert
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