Gürzenich trifft WDR
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Tom Borrow, Klavier
Edward Gardner, Leitung
Franz Schreker (1878 – 1934)
Vorspiel zu einem Drama
Richard Strauss
Burleske d-Moll für Klavier und Orchester
Eine Alpensinfonie op. 64
Die Alpensinfonie op. 64 ist Strauss' letzte, und in formaler und instrumentaler Sicht auch seine aufwendigste Tondichtung. Sie ist das Ergebnis einer Kompositionsarbeit von nur 100 Tagen (entstanden 1914 / 1915 in Garmisch), wenngleich die ersten Skizzen in das Jahr 1911 zurückgehen. Strauss, ein leidenschaftlicher Bergfreund, wurde angeregt durch das Panorama seiner Wohnung in Garmisch, das den Blick auf die Zugspitze und den Wetterstein freigab. Solchermaßen inspiriert schuf er eine illustrative musikalische Bergtour, die einen Orchesterapparat erfordert, der seinesgleichen sucht: neben doppelter Bläserbesetzung fordert die Partitur noch Orgel, Windmaschine, Donnermaschine, Glockenspiel, Herdenglocken und Tamtam. Hinter der Bühne werden noch zusätzlich 12 (!) Hörner verlangt.
"Ich hab einmal komponieren wollen, wie die Kuh Milch gibt". Aus dieser ganz naiven, unreflektierten Einstellung heraus ist auch eine gewisse Unbekümmertheit der thematischen Erfindung zu erklären: Anders als in Beethovens 'Pastoralsinfonie' rangiert in Strauss' Alpensinfonie die (Ton-) Malerei vor der Empfindung.
Strauss hat den einzelnen Abschnitten der durchkomponierten Riesenpartitur Überschriften beigefügt, so dass die Deutung der musikalischen Bilderfolge nicht zu verfehlen ist:
Nacht: In Fagotten und zwanzigfach geteilten Streichern sinkt stufenweise bei liegenbleibenden Tönen die b-Moll Tonleiter herab. Der folgende Sonnenaufgang mit seinem Sonnenthema erinnert an Giordanos Caro mio ben. In Der Anstieg entfaltet sich das bisher nur vage angedeutete Wanderthema, ein sehr lebhaft und energisch vorgeschriebenes, in punktiertem Rhythmus nach oben strebendes Gebilde, das als motivische Klammer das ganze Werk durchzieht. Ein Gegenmotiv veranschaulicht die drohenden Gefahren. Ferne Hörner und rauschende Streicherarpeggien verlebendigen den Eintritt in den Wald. Figurierte Streicher und Holzbläser malen später die Wanderung neben dem Bach. Dann wird Der Wasserfall erreicht: Springbogenfiguren und Glissandi der Streicher, Holzbläserläufe, Harfen, Triangel, Glockenspiel. Die Oboe zeichnet eine Erscheinung hinter diesem Wasserspiel. Das Horn intoniert eine neue Weise, die das Themenmaterial abrundet. Auf blumigen Wiesen hört man den Vogelgesang. Dann ist der Wanderer Auf der Alm. Die Holzbläser suggerieren lustige Jodler, und an- und abschwellende Herdenglocken lassen an der Örtlichkeit keinen Zweifel. Ein Fugato lässt das Wanderthema sich Durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen vorwärtskämpfen. Die Blechbläser intonieren das Bergmotiv. Paukengrundiert erscheint gellend das synkopierte Gefahrenthema in Trompeten und Es-Klarinette, das von den Violinen hochgetrieben wird: wir sind Auf dem Gletscher. Aber noch drohen Gefahrvolle Augenblicke. Schließlich kündet das Gipfelmotiv in den vier Posaunen an, dass wir Auf dem Gipfel angekommen sind. Stockender Oboengesang weckt zunächst Beklemmung. Kraftvolle Hornrufe erinnern an die Erscheinung des Wasserfalls. Die verschiedenen Themen verflechten sich zu einer Vision. Feierliches Fugato, leuchtende Triller des Sonnenthemas, dazu das Gipfelmotiv in hoher Lage, Sonnenthema in den Posaunen und Trompeten gewaltig auftürmend: Gipfelsieg! Aber dann:
Nebel steigen auf. Das Bild trübt sich. Die Sonne verdüstert sich allmählich. Die Alt-Oboe rekapituliert als Elegie das nun matt und grau klingende Sonnenthema. Fernes Donnergrollen der Pauke suggeriert beklemmend die Stille vor dem Sturm. Dann brechen Gewitter und Sturm im Höllenlärm des ganzen Orchesters mit durchscheinenden zerfetzten Themen los. Nach allmählicher Beruhigung scheint das Bergmotiv auf: Sonnenuntergang. Trompeten, Posaunen und Harfen intonieren einen feierlichen Gesang. Die Orgel führt ihn fort. Erinnernd tauchen als ruhiger Ausklang die verschiedenen Themen der Wanderung auf. Wie zu Beginn kündigt die absteigende b-Moll Skala wiederum die Nacht an. Schattenhaft ertönen noch einmal Berg- und Wanderthema.
Strauss erreicht in diesem Werk seinen Höhepunkt raffinierter Instrumentationskunst. "Jetzt habe ich endlich instrumentieren gelernt", sagte er nach der Berliner Generalprobe.
Genre:
Konzert
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