Gürzenich-Orchester am Montag
8 ausgewählte Konzerte des Gürzenich-Orchesters, immer montags um 20:00 Uhr in der Philharmonie
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Sebastian Kohlhepp, Tenor (Parsifal)
Jordan Shanahan, Bariton (Amfortas)
Georg Zeppenfeld, Bass (Gurnemanz)
Chor der Oper Köln
Andrés Orozco-Estrada, Dirigent
Béla Bartók (1881-1945)
Der wunderbare Mandarin op. 19, Sz. 73
Tanzpantomime in einem Akt
Bartóks Lebenswerk gliedert sich in drei Stilphasen: die spätromantisch-impressionistische Phase (bis 1911), die expressionistische Phase (bis 1930) und die letzte klassizistischere Phase, in der er wieder eindeutigere Dur-Moll-Beziehungen einbezog. Die Pantomime "Der wunderbare Mandarin" fällt in die zweite Phase des stark expressionistischen Stils. Sie entstand 1925, die Uraufführung im Jahr 1926 in Köln war einer der lärmendsten Skandale im Leben Bartóks: Konservative Kreise mit kirchlichen Würdenträgern an der Spitze griffen das "unsittliche" Werk, welches im Zuhälter- und Verbrechermilieu der modernen Großstadt spielt, scharf an. Der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer ließ das Werk vom Spielplan absetzen.
1909 charakterisierte Bartók in einem Brief seine Musik mit der Bemerkung, dass sie "Rache, Karikatur und Sarkasmus zu musikalischem Ausdruck kommen" lasse. "Deshalb könnte man die heutige Tonkunst im Gegensatz zu dem sich in früheren Epochen offenbarenden Idealismus vielleicht realistisch nennen, aufrichtig und wahrhaftig nimmt sie ohne Unterschied jegliche menschlichen Gefühle in die Reihe des Ausdrückbaren auf". "Der wunderbare Mandarin" markiert einen von Bartók nie mehr überbotenen Höhepunkt und Schlusspunkt seiner Bemühungen um einen solchen Realismus, denn es ist sein härtestes und kompromisslosestes Werk.
Die Handlung beschrieb der Komponist folgendermaßen: "In einer Apachenbehausung zwingen drei Strolche ein schönes junges Mädchen, Männer an sich zu locken, die diese dann ausrauben wollen. Der erste Gast ist ein armer Junge, der zweite ebenso, nur der dritte ein reicher Chinese. Dieser Fang scheint vorteilhaft zu sein; das Mädchen unterhält den Mandarin durch Tänze, erweckt in ihm eine heftige Liebe. Dem Mädchen graut aber vor dem Mann. Die Strolche überfallen, plündern, würgen ihn mit dem Bettbezug und durchstechen ihn mit einem Säbel, doch vergebens, sie vermögen dem Mann nichts anzutun, der verliebt und sehnsuchtsvoll das Mädchen anblickt. Die weibliche Invention kommt zu Hilfe: Das Mädchen erfüllt den Wunsch des Mandarin, der darauf tot hinstürzt."
Der Gestenreichtum von Bartóks Musik entfaltet sich hier mit seiner ganzen Pracht. Er ist aber nicht begleitend, sondern erklärend und beurteilend. Ein Grundmotiv, welches sich wie ein roter Faden durch die sechs Teile des Werkes zieht, stellt die Stadt und den sozialen Kreis dar, in dem sich Szenen abspielen. Die unaufhaltsam dramatische Zuspitzung der Handlung findet in der Musik ihre Entsprechung durch ein immer dichter gewebtes Netz von Klangsymbolen und Motiven und gipfelt in einer barbarischen Hetzjagdmusik. Am Ende erklingt durch den Einsatz eines Chores eine Liebes- und Totenklage.
Richard Wagner (1813-1883)
Parsifal WWV 111
3. Aufzug
Der in Leipzig Geborene vereinigte literarische und musikalische Neigungen in sich. Seit 1827 erhielt er regelmäßigen Musikunterricht und wenig später entstanden Wagners erste Kompositionen. Seit Beginn der dreißiger Jahre wirkte der Komponist als Opernkapellmeister in verschiedenen Städten. 1839 musste der mittlerweile stellungslose und hoch verschuldete Wagner vor seinen Gläubigern über London nach Paris fliehen, wo er sich mit der Anfertigung von Arrangements und schriftstellerischen Gelegenheitsarbeiten durchschlug. In Paris machte er aber nicht nur die Bekanntschaft von Liszt und Berlioz, sondern komponierte auch die Opern „Rienzi“ und „Der fliegende Holländer“. Den Durchbruch zum Erfolg brachte 1842 die Uraufführung des „Rienzi“ in Dresden. Man bot dem Komponisten die Stelle des Hofkapellmeisters an. In die revolutionären Unruhen des Jahres 1848 verwickelt, musste Wagner erneut fliehen. Auf Umwegen gelangte er schließlich nach Zürich, wo er – steckbrieflich gesucht – bis 1858 lebte. 1864 erhielt er ein Angebot des jungen bayrischen Königs Ludwig II., nach München zu übersiedeln. Hier wurden in den folgenden Jahren Wagners große Opern uraufgeführt: „Tristan und Isolde“, „Die Meistersinger von Nürnberg“, „Rheingold“ und „Walküre“. 1872 übersiedelte Wagner nach Bayreuth, wo er 1876 die ersten Festspiele in dem eigens für diesen Zweck erbauten Festspielhaus mit der Uraufführung des kompletten „Ring des Nibelungen“ eröffnete. Er starb 1883 in Venedig.
Die Musik zum Bühnenweihfestspiel „Parsifal“, dem letzten Bühnenwerk Wagners, das 1882 im Bayreuther Festspielhaus uraufgeführt wurde, ist dem Sujet entsprechend von erhabener Feierlichkeit. In der Instrumentation bevorzugt der Komponist Streicher und Holzbläser. Die Blechbläser bleiben auf eine „normale“ Besetzung beschränkt. Insbesondere verzichtet Wagner hier auf den Einsatz jener Blechblasinstrumente, die nach seinen Angaben für den 1876 erstmals komplett aufgeführten „Ring“ entwickelt wurden. Lyrisch angelegte Passagen unterbrechen verschiedentlich den Gang der Bühnenhandlung. Besonders weihevoll wird der Karfreitag beschworen im sogenannten „Karfreitagszauber“. Wenige Leitmotive kennzeichnen die gegensätzlichen Welten, die sakrale Welt des Grals und seiner ritterlichen Hüter und die Welt des teuflischen Zauberers Klingsor, der mit Hilfe seiner Zauberkünste die Gralsritter und ihren König Amfortas in seinen Bann schlagen will. Erst Parsifal, dem „durch Mitleid wissenden“, „reinen Toren“, gelingt es, den Zauber Klingsors zu brechen. Wagner selbst hat dem Vorspiel zum Bühnenweihfestspiel eine Einführung gegeben und hier insbesondere auf zwei Motive hingewiesen, die es beherrschen und die er als „Thema der Liebe“ und „Thema des Glaubens“ bezeichnete.
Genre:
Konzert
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