Gürzenich-Orchester am Montag
8 ausgewählte Konzerte des Gürzenich-Orchesters, immer montags um 20:00 Uhr in der Philharmonie
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Pierre-Laurent Aimard, Klavier
Michael Sanderling, Dirigent
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 15 B-Dur KV 450
Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Januar 1756 in Salzburg geboren. Er war der Sohn des Violinisten, Komponisten und Lehrers Leopold Mozart. Wolfgang begann als Dreijähriger, Klavier zu spielen und begab sich bereits mit sechs Jahren, gemeinsam mit seiner elfjährigen Schwester Nannerl, auf Konzertreisen nach München und Wien. Von 1763 an unternahmen Vater Leopold und Sohn Wolfgang eine dreieinhalbjährige Konzertreise durch Europa, auf der sie große Erfolge feierten. Zwischen 1769 und 1773 folgten weitere Reisen durch Italien, jedoch mit zunehmend weniger Erfolgen. Die Zeiten zwischen den Reisen nutzte Mozart zum Komponieren. Nach 1773 nahm er in Salzburg die Stellen als Hoforganist und Kaiserlicher Kammerkomponist an. Er starb verarmt in Wien am 5. Dezember 1791. Im März und April des Jahres 1784 schrieb Mozart drei Klavierkonzerte (KV 450, KV 451 und KV 453). Das B-Dur-Konzert wurde am 26. März 1784 in Wien durch den Komponisten uraufgeführt. Die Tutti-Exposition des Werkes beginnt mit einem zweitaktigen Bläsersatz, der dann von den Streichern beantwortet wird. Diese dialogische Art der Instrumentation bestimmt das ganze Konzert. Der Gegensatz zwischen enggestufter Chromatik und volkstümlicher Dreiklangsbrechung prägt das Hauptthema, während das Seitenthema durch seine absteigende Synkopierung besticht. Das Klavier beginnt mit figurativen Elementen, bevor es nach einer Fermate das komplette Hauptthema aufgreift und verziert. Der Solopart ist höchst anspruchsvoll und sehr virtuos. Die Durchführung ist geprägt durch pianistische Figurationen, während das Orchester zurücktritt. Bemerkenswert ist der Beginn der Reprise: Nach der ursprünglichen Bläserfigur steigt hier das Klavier als Dialogpartner ein. Auf eine ausgedehnte, äußerst brillante Kadenz folgt eine knappe Coda. Der langsame Satz hat bukolisch-pastoralen Charakter. Die Kurzgliedrigkeit seiner Motive und die seufzerhaften Intervalle der Melodie, die zuerst im Wechsel von Streichern und Klavier vorgetragen und dann immer mehr ausgeziert wird, erinnern an den ersten Satz. Den Einsatz der Bläser spart Mozart für die zweite Hälfte auf, in der diese dann das Thema vortragen, begleitet von Streicher-Pizzicati und „Leggiero“-Figuren des Klaviers. Das Finale ist ein B-Dur-Rondo im beliebten „Chasse“-Stil. Es wird vom Klavier eröffnet; das Orchester-Tutti, genregemäß mit Dominanz der Hörner, antwortet. Die beiden großen Zwischenspiele in dem fünfteiligen Satz sind geprägt von virtuosen Figurationen, aber auch von thematischer Arbeit, wiederum im Wechsel zwischen Klavier und Bläsern. Es herrscht eine gelöst-heitere Klangatmosphäre.
Text Heidi Rogge
Anton Bruckner (1824 - 1896)
Sinfonie Nr. 7 E-Dur WAB 107
Der im oberösterreichischen Dörfchen Ansfelden als Sohn eines Schulmeisters geborene Anton Bruckner widmete sich in besonderem Maße der Kirchen- und der sinfonischen Musik. Wenngleich Bruckner in späteren Jahren manche öffentliche Ehrung erfuhr, konnte sich sein sinfonisches Werk in Wien doch nur mühsam durchsetzen. Das Wiener Publikum der Zeit liebte die Musik des Norddeutschen Johannes Brahms, widersetzte sich jedoch vehement dem Werk des Österreichers Anton Bruckner. Ein besonderes editorisches und aufführungstechnisches Problem bedeuten bis heute die zahlreichen Um- und Überarbeitungen, die Bruckner an seinen Werken, vor allem seinen Sinfonien, aus eigenem Antrieb oder auf Rat wohlmeinender Freunde vornahm. In der Absicht, die angeblich unspielbaren Werke "spielbar" zu machen, haben diese Freunde unter Bruckners Schülern und Dirigenten gelegentlich sogar eigenmächtig Änderungen vorgenommen, und nicht immer ist gesichert, dass diese "Verbesserungen" auch den Intentionen des Komponisten entsprachen.
Erst mit der siebten Sinfonie, die Bruckner in Wien in der Zeit zwischen September 1881 und September 1883 komponierte, gelang ihm der Durchbruch als Komponist großangelegter sinfonischer Werke. Bei der Uraufführung am 30.12.1884 in Leipzig unter Arthur Nikisch hielt sich der Erfolg zwar noch in Grenzen (das Leipziger Publikum galt als sehr konservativ) aber immerhin notierte Bruckner befriedigt, dass "zum Schluss eine ¼ Stunde applaudiert wurde". Da Bruckner bis dahin die Erfahrung machen musste, dass bei der Aufführung seiner Sinfonien die Zuhörer scharenweise den Konzertsaal verließen, muss der Leipziger Beifall als bedeutender Erfolg gelten. Noch größer war jedoch der Erfolg dieses Werkes wenige Monate später, als Hermann Levi, der Dirigent der Uraufführung von Wagners Parsifal, die Sinfonie erstmals in München vorstellte. Der Erfolg dieser Aufführung veranlasste sogar die berühmten Wiener Philharmoniker, die ansonsten Bruckner wenig schätzten, das Werk in ihr Programm zu nehmen. Auch in Wien war das Publikum begeistert. Nur Bruckners Intimfeind, der berühmte Kritiker und Brahms-Verehrer Eduard Hanslick, schrieb auch über diese Sinfonie einen seiner üblichen Verrisse.
Im Kopfsatz (Allegro moderato), nach dem Formschema des Sonatenhauptsatzes angelegt, fällt vor allem das bei Bruckner einzigartige melodische Hauptthema auf, das nicht weniger als 21 Takte umfasst. Noch zwei weitere Themen werden in der Exposition vorgestellt, die wie immer bei Bruckner im Pianissimo verklingen. Aus diesen drei Themenkomplexen entwickelt der Komponist anschließend eine spannungsvolle, kontrapunktisch verdichtete Durchführung. Die Reprise bereitet bereits die ausgedehnte Coda vor.
Das Zentrum des Werkes bildet der zweite Satz (Adagio. Sehr feierlich und sehr langsam), der von Bruckner als Trauermusik für Richard Wagner unter dem Eindruck der Nachricht von seinem Tode (13.2.1883) komponiert wurde. Für diesen Satz verwendete Bruckner, dem Vorbild des von ihm so verehrten Bayreuther Meisters folgend, ein Quartett von Tuben, die dem Bläsersatz in diesem Adagio eine besondere Färbung verleihen. Der Höhepunkt der Sinfonie liegt genau in der zeitlichen Mitte des Werkes, an jener Stelle im C-Dur des Adagios, die durch einen bis heute umstrittenen Beckenschlag markiert wird. Dieser vom Komponisten zunächst gebilligte, später aber widerrufene Eingriff in die ursprüngliche Partitur geht auf Bruckners Freunde und musikalische "Berater" zurück. Nur wenige Dirigenten halten sich freilich bis heute an Bruckners Widerruf und verzichten auf diesen Beckenschlag als einem spektakulären Moment der Steigerung.
Im deutlichen Kontrast zum langsamen Satz steht das folgende "Scherzo (Sehr schnell)". In seiner klaren Dreiteiligkeit erweist es sich als formal einfach gestaltet. Die Musik hat etwas Drängendes und Vorwärtstreibendes. Nur im Mittelteil, dem Trio, kommt sie etwas zur Ruhe und entfaltet größere melodische Bögen. Der Schluss-Satz (Finale. Bewegt, doch nicht zu schnell) gehört in seiner "Vermischung" von Rondoform und Sonatenhauptsatz zu den originellsten Formexperimenten Bruckners. Die Reihenfolge der drei Themen wird in der Reprise umgekehrt. Das Hauptthema weist eine enge Verwandtschaft zum Hauptthema des Kopfsatzes auf. Auch in den anderen Themen klingen Erinnerungen an die beiden ersten Sätze an. Insgesamt wird die Tendenz hörbar, die innere Geschlossenheit dieses sinfonischen Gebäudes zu verdeutlichen. Wie im Kopfsatz gipfelt auch im Finale das musikalische Geschehen in der Coda, die noch einmal das Eingangsthema des ersten Satzes zitiert und damit das Ende dieser über einstündigen Sinfonie unauflösbar mit dem Anfang verknüpft.
Text: Christoph Prasser
Genre:
Konzert
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Dieses Werk ist in 4 Abos enthalten — übersichtlich nach Spielzeit.
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