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Julia Lezhneva | © Emil Matveev
Julia Lezhneva | © Emil Matveev

Inhalt

Julia Lezhneva, Sopran
Maarten Engeltjes, Countertenor und Dirigent


Antonio Vivaldi
»In furore iustissimae irae« RV 626 (um 1723/24)
Motette für Sopran, Streicher und Basso continuo

»Nisi Dominus« g-Moll RV 608 (1713–17)
für Alt, Viola d’amore, Streicher und Basso continuo. Text: Psalm 126

Giovanni Battista Pergolesi
Stabat Mater (1736)
für Sopran, Alt, Streicher und Basso continuo

Das "Stabat mater dolorosa" gehört neben der Totensequenz "Dies irae, dies illa" zu den am häufigsten komponierten geistlichen Texten. Der Titel bezieht sich auf die Anfangsworte einer anonymen lateinischen Sequenz aus dem 13. Jahrhundert, die früher dem Dichter Jacoponus de Benedictis aus Todi (um 1300) zugeschrieben wurde und die eine zentrale Stelle in der Liturgie vom Fest des Gedächtnisses der Schmerzen Mariae einnimmt, das die Kirche am 15. September begeht. Die Sequenz schildert und meditiert in zehn Strophen von jeweils sechs Versen die Trauer und den Schmerz der Gottesmutter unter dem Kreuz ihres Sohnes. Die Klage der Maria, die unter dem Kreuz dem Leiden ihres Sohnes Jesus zusehen muss, gehört als Verherrlichung leidender und geprüfter Mutterliebe zu den menschlich ergreifendsten Werken geistlicher Dichtung.
Giovanni Battista Pergolesi wurde von der Erzbruderschaft der Cavalieri della Vergine de' Dolori, einer Kongregation neapolitanischer Adeliger, beauftragt, anstelle des Stabat mater von Alessandro Scarlatti ein neues zu komponieren. Der zu der Zeit schon schwerkranke junge Mann schuf eine Marienklage, die wegen der kleinen Besetzung eher zum Bereich der geistlichen Kammermusik gehört. Pergolesi schrieb an seinem letzten Werk ab Herbst 1735 in einem Franziskanerkloster in Pozzuoli am Golf von Bajä, wo er sich eigentlich etwas erholen sollte. Unter der Ahnung seines baldigen Todes bearbeitete Pergolesi elf von dreizehn Nummern seines Dies Irae, die letzten Nummern sind im Vergleich zu anderen Stabat-Mater-Kompositionen sehr kurz. Das letzte Amen mit seinem abgerissenen Schluss lässt uns ein hastiges Ende vermuten, mit dem der wenige Tage später gestorbene Pergolesi sein Werk vervollständigen wollte. Der Text steht in einem volkstümlichen Latein. Pergolesi gelang es mit Hilfe seiner Musik, dass sich die Worte durch das reine Gefühl erfassen lassen.
Schon der Anfang des Werkes lässt erkennen, dass Pergolesi die melodische Ausdruckskraft der Klassik um mehr als ein Menschenalter vorweggenommen hat. Die schmerzlichen, sich überschneidenden Dissonanzen, die sich in ruhigem Bogen ineinander verschlingenden Melodien werden von einer gleichmäßigen Achtelbewegung des Instrumentalbasses getragen und prägen sich dem Hörer unvergesslich ein. Dieses erste Duett wirkt, unter der Führung der Singstimmen und deren Unterstützung der leicht figurierten Streicher, ungewöhnlich schlank und ausdrucksvoll.
Die Sopranarie "Cujus animam" erhält durch eine sehr differenzierte Dynamik einen ins Dramatische drängenden Charakter, vor dessen Übersteigerung die Überschrift "Andante amoroso" warnt. Das Duett "O quam tristis" ist dagegen von tiefer und doch irgendwie süßer Traurigkeit, von zartestem menschlichen Mitempfinden geprägt. In der Altarie "Quae morebat" werden die ständigen Nachschläge in der Begleitung der erschütterten Maria angesichts des gekreuzigten Sohnes auf das feinste gerecht. Nach der großen und eindringlichen Frage "Quis est homo" erfolgt in dem Duett ein erster gefühlsmäßiger Höhepunkt bei "Pro peccatis". Im anschließenden Sopransolo "Vidit suum" wird die Todesszene des Heilands mit großem Zartgefühl und Zurückhaltung des Ausdrucks, aber trotz eines Minimums von äußeren Mitteln sehr plastisch dargestellt. Die folgende Altarie "Eja mater fons amoris" gab wegen ihrer angeblich theatralischen Weltlichkeit Anlass zu heftiger Kritik. Die liebliche, unbeschwerte Melodik stellt die liebende Mutter in einem leuchtenden Gegensatz zu der schweren, stillen Trauer des vorhergehenden Stückes. Das Duett "Fac, ut ardeat" bildet einen gewissen formalen und stilistischen Höhepunkt des Werkes. Auch im Duett "Sancta mater" klingen barocke Themen mit schweren halben Noten durch. Die Altarie "Fac ut portam" kommt der Aufforderung des Textes mit unverkennbaren rhythmischen Energien entgegen. Die drängende Bitte des "Inflammatus at accensus" ist im Vorspiel, in der instrumentalen Begleitung und in den Solostimmen des Duetts erkennbar. Das Bild der Passion Christi, die im Schlussduett "Quando corpus morietur" aufsteigt, führt die Gedanken unwillkürlich zu dem ebenfalls todgeweihten Pergolesi. Ein stürmischer Amen-Satz, der motivisch deutlich mit dem Kopfthema des Duetts "Fac, ut ardeat" zusammenhängt, läuft in gleicher Weise fugenartig mit homophon deklariertem Schluss aus.

Text: Christoph Prasser

Genre:
Konzert

Spielstätte

Kölner Philharmonie
Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln
Linien 5, 12, 16, 18 sowie S-Bahnen S6, S11, S12, alle Nahverkehrszüge und die Busse 132, 170, 250, 260 und 978 bis Dom/Hauptbahnhof

Ihre Eintrittskarte ist zugleich Hin- und Rückfahrkarte 2. Klasse im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS).

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