WDR Sinfonieorchester und mehr... II
3 ausgewählte Konzerte des WDR Sinfonieorchesters, kombiniert mit 1 Spitzen-Ochester
Inhalt: WDR Sinfonieorchester · WDR Sinfonieorchester · PRJCT Amsterdam · WDR Sinfonieorchester
James Ehnes, Violine
Juraj Valcuha, Leitung
Zoltán Kodály (1882-1967)
Tänze aus Galánta
Zoltán Kodály wurde in Kecskemét geboren. Seit 1900 studierte er Komposition in Budapest. Nach Aufenthalten in Berlin und Paris wurde er zunächst Theorielehrer und später Kompositionslehrer an der Budapester Hochschule. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer und Komponist beschäftigte er sich intensiv mit der Erforschung und Bearbeitung ungarischer Volkslieder. Neben Bartók gehört er zu den wichtigsten Forschern und Sammlern der Volksmusik seiner Heimat. Als Komponist reüssierte Kodály rasch und nachhaltig, da er die vertraute Tonalität und die überkommenen Formen der Musik nur gelegentlich verließ, vielmehr innerhalb der durch Tradition abgesteckten Grenzen eine äußerst vitale und attraktive Musik schuf, die aufgrund ihrer interessanten Instrumentation, ihres Klangreichtums und ihrer Expressivität beim musikinteressierten Publikum großen Anklang fand. Von Konzertreisen abgesehen, blieb er Budapest auch räumlich immer verbunden und erreichte innerhalb Ungarns einen so hohen Bekanntheits und Beliebtheitsgrad, dass seine Person den Wechsel der verschiedenen politischen Systeme in Ungarn unbeschadet überstand. Als er 1967 in Budapest starb, galt er unbestritten als der große alte Mann der ungarischen Musik.
Galánta ist ein kleines Dorf in Westungarn (heute Slowakei), dessen Bevölkerung sich aus Ungarn, Slowaken und Deutschen zusammensetzte und in dem Kodály, wie er sich selbst ausdrückte, "die sieben besten Jahre meiner Kindheit" zwischen 1885 und 1892 verlebt hatte. Die 1933 zum 80-jährigen Jubiläum der Budapester Philharmonischen Gesellschaft komponierten "Tänze aus Galánta" bedeuten damit für Kodály so etwas wie "die Suche nach der verlorenen Zeit" der glücklichen Kindheit. Das musikalische Material entstammt Tanzformen des 18. Jahrhunderts, den sog. Verbunkos, charakteristischen ungarischen Tänzen ursprünglich militärischer Herkunft. Der Reiz der Komposition liegt nicht zuletzt in der geschickten Reproduktion und Reorganisation elementarer Klänge volkstümlicher Tanzmusik mit den Mitteln des modernen Orchesters. Streicher und Holzbläser kombiniert mit vier Hörnern dominieren, die beiden Trompeten werden sparsam eingesetzt, Posaunen und Tuba fehlen gänzlich. Eine wichtige Rolle spielt die Soloklarinette, und die Spielweise der Violinen hat oft einen virtuosen Charakter, wenn diese in der schnellen Manier der Zigeunergeiger verwendet werden. Auffallend sind auch die hektischen, manchmal fast brutalen Synkopen, die sich über lange Abschnitte hinziehen, dazu die vielfältigen Wechsel in Tempo und Charakter, die manchmal so abrupt sind, dass zwei unterschiedliche Tänze gleichzeitig zu erklingen scheinen. Formal betrachtet handelt es sich bei den "Tänzen aus Galánta" weniger, wie der Titel vermuten lässt, um eine Suite verschiedener Tänze als um eine Sinfonische Dichtung, die in Rondoform angelegt ist. Ab Takt 50 erklingt zum ersten Mal in der Soloklarinette das Hauptthema, das dann - manchmal ruhig, manchmal leidenschaftlich - im Fortgang der Komposition mehrfach wiederkehrt.
AntonÃn Dvorák (1841-1904)
Violinkonzert a-Moll op. 53
"Sie sehen also, daß ich nicht zu denjenigen gehöre, die nur recht bald reich sein wollen und durch dies übermäßig schnelle Arbeiten leider zu oft ihren Werken den Mangel an künstlerischer Gediegenheit anhaften lassen" - so schrieb Dvorák 1879 an seinen Berliner Verleger Simrock. Den von ihm befürchteten "Mangel an künstlerischer Gediegenheit" versuchte Dvorák dadurch zu kompensieren, dass er sich immer wieder des Rates erfahrener Fachleute versicherte. So war es auch für den vor allem durch seine "Slawischen Tänze" mittlerweile berühmten Komponisten fast selbstverständlich, den Rat eines Fachmannes einzuholen, als er 1879 von seinem Verlag mit der Komposition eines Violinkonzertes beauftragt wurde. Der von Dvorák ausgewählte Fachmann war kein geringerer als der komponierende Geigenvirtuose Joseph Joachim. Bereits Ende des Jahres schickte Dvorák die im Sommer fertiggestellte Partitur an Joachim, versehen mit einer ausdrücklich zugedachten Widmung. Das Werk scheint Joachim jedoch missfallen zu haben, denn Dvorák arbeitete es um, und zwar so gründlich, dass er "nicht einen einzigen Takt" beibehielt. Aber immer noch war Joachim nicht zufrieden: "Wenn auch das Ganze eine sehr violinkundige Hand verräth, so merkte man doch Einzelheiten an, daß Sie seit längerer Zeit nicht selbst gespielt haben." Joachim machte sich nun selbst an die Einrichtung der Violinstimme. Mit seinem Hochschulorchester spielte er dem Komponisten das Werk in dieser Fassung vor. Unter dem Eindruck der Aufführung nahm Dvorák erneut Änderungen an der Partitur vor. Am 14. Oktober 1883 fand endlich die Uraufführung statt. Allerdings übernahm nicht Joachim den Solopart, sondern ein weitgehend unbekannter Geiger.
In seiner dreisätzigen Form orientiert sich Dvoráks Violinkonzert hauptsächlich an den klassischen Modellen der Gattung, doch im Detail beschreitet der Komponist durchaus eigenständige Wege. So stellt der erste Satz ("Allegro ma non troppo") in formaler Hinsicht eine eigentümliche Mischung aus Sonatenhauptsatz und Rondoform dar. Die Exposition wird beherrscht durch ein zweiteiliges Hauptthema. Der markante Vorderteil erklingt im Tutti des Orchesters, während der kantable Nachsatz dem Soloinstrument anvertraut ist. Den Mittelteil des Satzes bestimmen musikalische Gedanken, deren freie Behandlung dem formalen Konzept des Rondos näher stehen als dem einer "strukturbetonten Durchführung". Die Reprise ist stark verkürzt, und nach einer knappen Kadenz des Solisten leitet ein kurzes Zwischenspiel ohne Pause über zum langsamen Satz ("Adagio ma non troppo"). Der Gegensatz zur Bewegtheit und Leidenschaftlichkeit des Kopfsatzes könnte kaum größer sein. Schon das vom Soloinstrument in tiefer Lage vorgetragene Hauptthema des Satzes strömt wunderbare Ruhe aus. Nur zweimal wird diese Grundstimmung unterbrochen durch etwas bewegtere Zwischenspiele. Der Finalsatz ("Allegro giocoso, ma non troppo") weist in formaler Hinsicht eine ähnliche Unentschiedenheit zwischen Sonatenhauptsatz und Rondo auf wie der Kopfsatz. In den hohen Lagen setzt das 3/8-Thema ein. Synkopen betonen den Charakter des böhmischen Tanzes. Verschiedene Umwandlungen dieses Themas beherrschen den Satz, bis in d-Moll eine expressive "Dumka" dazwischentritt. Die "Dumka" ist ein balladenhaftes, getragenes, ja klagendes Volkslied, das ursprünglich in der Ukraine beheimatet war. Das rhythmisch-melodische Schema der "Dumka" hat Dvorák in vielen seiner langsamen Instrumentalsätze kunstvoll variiert, hier als verhaltenes Zwischenspiel im ansonsten heiteren Finale. Der synkopische 3/8-Rhythmus setzt nach dieser Episode wieder ein, wird von der "Dumka" ein zweites Mal unterbrochen und steigert sich dann zum schmetternden Ausklang des Werkes.
Sergej Prokofjew (1891-1953)
Sinfonie Nr. 7 cis-Moll op. 131
Nach Beendigung seiner Studien vor allem bei Rimski-Korsakow und Tscherepnin unternahm der 1891 in Sonzowka geborene Prokofjew Konzertreisen nach England und Italien. Bis zur Oktoberrevolution lebte er in Russland. Er ließ sich in seinen Werken nicht von der radikalen Avantgarde anstecken und hielt immer an der Tonalität sowie klar umrissenen musikalischen Formen fest. Die optimistische Kraft und Lebensfreude sowie die Eleganz und lyrisch kantable Schönheit seiner Musik haben dieser zu großer Beliebtheit und weiter Verbreitung verholfen. Doch noch während der ersten Jahre im zaristischen Russland wurde er wegen seiner wilden, grotesk verzerrenden und oftmals exzentrischen Musik zum Teil scharf angegriffen. Er emigrierte nach Paris. Hier sah er sich dem Vorwurf ausgeliefert, er sei ein Epigone und Konservativer. Diesem Vorwurf begegnete er mit seinen aufwühlendsten und "modernsten" Werken. Als er 1934 nach Russland zurückkehrte, hatte er wohl auf der einen Seite Heimweh, andererseits wollte er aber auch dem jungen Staat nicht länger seine künstlerische Gefolgschaft verweigern. Das tiefsitzende Misstrauen der stalinistischen Kulturhüter, die in ihm nach wie vor einen Verfechter und Anhänger bürgerlicher Dekadenz sahen, konnte er alleine durch seine Rückkehr sicher nicht auf Anhieb zerstreuen. Also bemühte er sich zunächst einmal verstärkt um offizielle Kompositionsaufträge und schrieb politisch engagierte Musik, mit der er hohes Ansehen errang, obwohl er sich auch 1948 eine Maßregelung durch die Kommunistische Partei wegen seines "westlichen Formalismus" gefallen lassen musste. Doch insgesamt glättete sich sein Stil, er wurde volkstümlicher und dem breiten Hörerpublikum verständlicher. Prokofjew suchte und fand den Ausgleich mit den Normen des "sozialistischen Realismus", auch wenn er sie nicht immer bedingungslos befolgte. Seine späten Werke sind stets von einem humanistischen Geist durchdrungen, der bestimmt ist von seiner vielleicht etwas naiven Theorie einer einfachen und doch qualitativ hoch stehenden Musik. Er starb am 5. März 1953 in Moskau, am gleichen Tag wie Stalin.
Seine siebte und letzte Sinfonie schrieb Prokofjew 1952, und zwar zum Teil im Krankenhaus, da seine Gesundheit seit einem schweren Unfall beeinträchtigt war. Uraufgeführt wurde sie am 11. Oktober 1952 in Moskau. Der erste Satz wird von einem Moderato eingeleitet und gibt sich sehr melancholisch. Das zweite Thema ist weit gesponnen, aber mit tragischen Akzenten versehen. Das Glockenspiel sorgt für reizvolle Akzente. Das Scherzo bringt einen Walzer in der Art von Tschaikowsky, nimmt aber bald aggressive Züge an. Der dritte Satz ist schlicht und sanglich, das Finale wirbelnd und quirlig: seine übermütigen Melodien eilen rasant zum Schluss.
Genre:
Konzert
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