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Jukka-Pekka Saraste | © Jukka-Pekka Saraste
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Inhalt

Kristine Balanas, Violine
Jukka-Pekka Saraste, Leitung


Thomas Adès (*1971)
Violinkonzert op. 24
»Concentric Paths«

Thomas Adès gehört zu jenen Komponisten unserer Zeit, deren Musik nicht nur von Experten und Kritikern geschätzt wird, sondern auch bei einem großen Teil des Publikums spontane Begeisterung hervorruft. Dies erscheint umso überraschender, als der 1971 in London geborene Brite alles andere als „leichte Kost“ bietet – im Gegenteil. Adès fordert in seinen Stücken vom Interpreten wie vom Zuhörer ein Maximum an Konzentration, lotet klangfarbliche, dynamische und expressive Extreme aus und geht oft an die Grenzen des spieltechnisch Machbaren. Seine Tonsprache schöpft immer wieder Inspiration aus der kompositorischen Vergangenheit, Tradition und Innovation existieren in Adès’ Musik gleichberechtigt nebeneinander. Adès wurde 1971 in London geboren. Er studierte Klavier bei Paul Berkowitz und Komposition bei Robert Saxton an der „Guildhall School of Music and Drama“ in seiner Heimatstadt London. Später setzte er seine Studien bei Alexander Goehr und Robin Holloway am „King's College“ in Cambridge fort. 1993 debütierte er als Pianist und Komponist. Seine Werke werden seither von vielen bedeutenden Orchestern, Dirigenten und Solisten in aller Welt aufgeführt.
Adès Komposition „Concentric Paths“ ist ein Violinkonzert, das 2005 mit dem Solisten Anthony Marwood unter der Leitung des Komponisten selbst bei den Berliner Festspielen uraufgeführt wurde und seither schon zahlreiche Konzertsäle erobert hat – es gehört zu den beliebtesten Violinkonzerten aus jüngster Zeit. Der Aufbau der drei Sätze wirkt zunächst mit der Satzfolge „schnell – langsam – schnell“ sehr klassisch. Adès selbst beschreibt das Konzert als „Tryptichon“. Es sei ein faszinierendes Problem, dass oft der Kopfsatz „alles Fleisch und alle Argumente enthielte“. Bei Adès aber ist es der Mittelsatz, der zum zentralen Element des Konzertes wird. Er ist länger als die beiden Ecksätze zusammen, der erste Satz hat eher eine hinführende Funktion dazu. Interessanterweise war der Keim der Komposition das vergleichsweise schlichte Thema zu Beginn des dritten Satzes. Seine Absicht sei es zunächst gewesen, die beiden ersten Sätze zu komponieren, um zu erklären, was diese Melodie bedeute. Die drei Sätze des Werkes lauten „Ringe“ („Rings“), „Pfade“ („Paths“) und „Runden“ („Rounds“). Der erste Satz ist schnell und farbenprächtig, voller klanglich kreisender und pulsierender Muster. Der emotionale zweite Satz wird von passacaglia-artigen Sequenzen angetrieben, die sich wie konzentrische Kreise vorwärtsbewegen, wobei jeder Ton den nächsten anstößt und sich die Spannung immer weiter steigert, bis sie eine unglaubliche Intensität erreicht. Schließlich kommt es zu einer Auflösung dieser Spannung – die Kreise drehen sich nun wieder anders herum und es beginnt ein langer Abstieg. Jeder Ton wird dabei zur Auflösung des vorherigen. Der letzte Satz ist schließlich schwungvoll und leicht.
Spieldauer: ca. 22 Min.
Text Christoph Prasser

Gustav Mahler (1860 – 1911)
Sinfonie Nr. 9 D-Dur (1909)

Gustav Mahler wurde als Sohn eines jüdischen Kaufmanns im böhmischen Kalischt geboren. Am Wiener Konservatorium konnte er nur studieren, weil sich ein Lehrer bereitfand, einen Teil der Studiengebühren zu übernehmen. Als Kapellmeister fand er in Leipzig und Budapest eine Anstellung. 1891 wurde er als erster Kapellmeister nach Hamburg berufen. Als Peter Tschaikowsky der deutschen Erstaufführung seiner Oper "Eugen Onegin" beiwohnte, feierte er Mahler als "einen Mann von Genie". 1897 errang Mahler für die Dauer von 10 Jahren die begehrte Stelle des Hofoperndirektors in Wien. Dort wurde er immer wieder wegen seiner künstlerischen Tätigkeit und seiner jüdischen Herkunft angefeindet. Dennoch leitete er die Hofoper mit großem Erfolg. 1907 legte Mahler, der andauernden Auseinandersetzungen müde, die Leitung nieder - auch um sich verstärkt seinem kompositorischen Schaffen widmen zu können. Doch noch im gleichen Jahr schloss er einen Vertrag mit der Metropolitan Opera in New York und begann am Neujahrstag des Jahres 1908 mit "Tristan und Isolde" seine Dirigententätigkeit in den Vereinigten Staaten. 1911 gab Mahler sein letztes Konzert in New York, wenige Monate vor seinem Tode und gezeichnet von einer Krankheit, deren Ausgang ihm wohl schon seit 1907 nicht mehr zweifelhaft war. So ist die letzte, 1910 begonnene zehnte Sinfonie beherrscht von der Stimmung des Abschieds, der Resignation und der Todeserwartung. Davon zeugen Klage und Trauer, deren Spuren sich in Gestalt von Ausrufen in den hinterlassenen Skizzen finden: "Erbarmen: O Gott, warum hast du mich verlassen!" oder "Der Teufel tanzt mit mir! Vernichte mich, daß ich vergesse, daß ich bin" und schließlich: "Leb wohl, mein Saitenspiel".
Religiöser Glaube, Weltanschauung und sinfonische Musik hängen bei Mahler wie bei kaum einem anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts aufs engste zusammen. Mahler selbst verstand etliche seiner Werke als Ausdruck seiner Weltanschauung - eine "metaphysische Musik". Seine Sinfonien sind von dem Nimbus des Geheimnisvollen und Ungeheuerlichen umgeben. Der Komponist selber galt vielen als "Gottsucher", "Mystiker" und "sinfonierender Philosoph", dessen Schaffen mit schwerer metaphysischer Fracht beladen war. Und die berühmte "Neunzahl" der Sinfonien, über die Beethoven, Schubert, Bruckner und Dvorák nicht hinausgekommen waren, schreckte den herzkranken Mahler. Er fühlte eine fast heilige Scheu vor der Bezeichnung "Neunte Sinfonie": Durfte jemand nach Beethoven eine solche schreiben? Durch eine List suchte er sich dem zur Tradition gewordenen Verhängnis zu entziehen: Sein eigentlich neuntes sinfonisches Werk vom Sommer 1908 nannte er oratorienhaft "Das Lied von der Erde", obgleich es sich eindeutig um eine Sinfonie nach dem Formenschema des späten Mahlers handelt. Von düsterer Vorahnung getrieben, vermied Mahler die übliche Pause zwischen den großen Partituren und vollendete bereits in den Jahren 1909/10 die als Neunte deklarierte Sinfonie (chronologisch die Zehnte) und begann ein weiteres Werk, die Zehnte, von der zwei Sätze vollendet wurden. Mahler hat also zehn abgeschlossene sinfonische Partituren und einen Torso hinterlassen.
Die Partitur der neunten Sinfonie fällt entstehungsgeschichtlich zusammen mit Schönbergs frühen Klavierstücken, Bergs Streichquartett op. 3, mit der "Elektra" von Strauss und Strawinskys "Feuervogel". Das eilige Tempo des Fortschritts brachte es mit sich, dass die "Modernität" des späten Mahlers einem breiten Publikum kaum aufging; man war mit weit waghalsigeren Experimenten überhäuft. In der neunten Sinfonie hat Mahler alle Zwänge und Traditionen abgeschüttelt: Zwei langsame Sätze umklammern zwei scherzoartige Zwischenspiele. Auch die harmonische Bindung der Sätze ist aufgehoben. Die Sinfonie beginnt in D-Dur und endet in Des-Dur, die Mittelsätze stehen in C-Dur und Mahlers tragischem a-Moll. Verwandlung charakterisiert das Werk. Die Themen treten stets in veränderter Gestalt auf, in wechselnder Instrumentation, mit wechselndem Kontrapunkt. Die Musik scheint menschliches Schicksal zu erleiden: Sie geht durch die Stadien von Geburt, Wachstum, Reife, Konflikt und Auseinandersetzung bis zum Sterben hindurch. Adorno hat das so formuliert: "Die Stimmen fallen einander ins Wort, als wollten sie sich übertönen und überbieten, daher der unersättliche Ausdruck und das Sprachähnliche des Stückes. Die Themen sind weder aktiv noch passiv, sondern sprudeln, als ob die Musik während des Sprechens den Impuls zum Weitersprechen erst empfing."
"Andante comodo" steht über dem ersten Satz, aber das "comodo" bezieht sich nur auf das Zeitmaß, ansonsten ist er höchst unbequem. Er türmt die Themen im dramatischen Durchführungsteil übereinander, zerstückelt Melodien, lässt Zusammensinken auf Aufschwung folgen und umgekehrt; aber über allem liegt eine trostlose Stimmung. "Es stirbt eine Welt", sagte der Mahlerbiograph Paul Bekker, "ohne Bitterkeit, ohne Haß, doch nicht ohne Kampf". Als "eine tragisch erschütternde, edle Paraphrase des Abschiedsgefühls" empfand es Bruno Walter - "ein einzigartiges Schweben zwischen Abschiedswehmut und Ahnung des himmlischen Lichts (…) hebt den Satz in eine Atmosphäre höchster Verklärtheit". Der zweite Satz ist ein Ländler, "etwas täppisch und sehr derb", wie Mahler vorschreibt, aber er wächst über das Rustikale weit hinaus, wird manchmal parodistisch, oftmals ernst. Der dritte Satz trägt die Überschriften "Rondo - Burleske: Allegro assai. Sehr trotzig (alla breve)". Mahler scheint sich über jemanden lustig zu machen. Schneidender Hohn liegt in dieser Musik, er verletzt, kränkt, tut weh - doch man weiß nicht, gegen wen er sich richtet. Der letzte Satz ("Adagio: Sehr langsam und noch zurückhaltend") ist wie der erste von Todessehnsucht erfüllt. Doch die resignatorische Stimmung des Eröffnungssatzes wird nun ins Feierlich-Erhabene erhöht. Er erinnert stark an die "Götterdämmerung". Dieser Finalsatz gehört zum Überzeugendsten, was Mahler geschaffen hat. "Etwas von der Süße des Sterbens klingt in den inbrünstigen Melodien des Schluß-Adagios auf" (Bauer). Und Bruno Walter meinte: "Ein ruhevolles Lebewohl".
Text: Heidi Rogge


Genre:
Konzert

Spielstätte

Kölner Philharmonie
Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln
Linien 5, 12, 16, 18 sowie S-Bahnen S6, S11, S12, alle Nahverkehrszüge und die Busse 132, 170, 250, 260 und 978 bis Dom/Hauptbahnhof

Ihre Eintrittskarte ist zugleich Hin- und Rückfahrkarte 2. Klasse im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS).

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